Fahrpreiserhöhung 2007

Teils stabile Fahrpreise, teils drastische Erhöhungen

Der vom VBB festgestellte Durchschnittswert der Fahrpreiserhöhung ist ohne Aussage. Wir betrachten stattdessen die einzelnen Belastungen:

Es war kein Scherz. Zum 1. April gab es im VBB-Tarif zahlreiche Preisanhebungen. Positiv ist, dass es 2006 keine Erhöhungen gab und auch jetzt ein erheblicher Teil der Tarife in Berlin stabil blieb, auch bei den preiswerten Schülermonatskarten und bei der Sozialkarte. Negativ ist, dass viele Tarife in Brandenburg und einige in Berlin überdurchschnittlich angehoben wurden. Negativ ist außerdem, dass die meisten Tarife im Verkehrsverbund Berlin- Brandenburg weiterhin zu den höchsten in Deutschland gehören, während die Kaufkraft in Berlin und Brandenburg deutlich unter dem Bundesdurchschnitt liegt.

Tageskarte

Während der Einzelfahrschein in Berlin im Preis stabil blieb, wird die Tageskarte von 5,80 auf 6,10 Euro verteuert. +5,2% Dabei war lange Zeit diskutiert worden, sie im Preis zu senken.

Monatskarte

Die einzeln gekaufte Monatskarte in Berlin wurde von 67 auf 70 Euro verteuert. +4,5%. Man muss also 34 Mal im Monat einen Einzelfahrschein kaufen, damit sich der Kauf einer Monatskarte lohnt. In Potsdam lohnt sich das beispielsweise bereits ab 21 Fahrten, in München ab 27.

Jahreskarte

Man wolle die Stammkunden bei dieser Tarifrunde besonders belohnen, hieß es. Für Berliner Fahrgäste mit Jahreskarte trifft das auch zu, sie zahlen nicht mehr. Brandenburger Fahrgäste müssen demgegenüber für ihre Jahreskarte z. B. für einen Landkreis +3,4% mehr bezahlen.

Wer es als Berliner oder Brandenburger aber wagt, regelmäßig in beiden Ländern zu fahren, muss dafür jetzt besonders teuer bezahlen. Die Jahreskarte Berlin ABC + 1 Landkreis wurde um +6,5% und die Jahreskarte VBB-Gesamtnetz um +6,8% verteuert. Offensichtlich hatte diese Fahrgastgruppe keine Lobby, weder in der Berliner noch in der Brandenburger Politik.

Fahrradkarte

Während die Berliner Freizeitkarte 2005 u. a. mit der Begründung abgeschafft wurde, man wolle die Vertriebskosten durch zu viele verschiedene Angebote senken, wurden mit der Abkoppelung der Fahrradmitnahme vom Ermäßigungstarif in Berlin nun acht neue Positionen „Fahrradtarif“ eingeführt. Diese sind überwiegend teurer als der bisherige Ermäßigungstarif, was statistisch aber keine Erhöhung ist, weil es als Neuangebot gewertet wird. So kostet die Fahrradmitnahme für eine Fahrt in Berlin jetzt 1,50 statt 1,40 Euro. +7,1%

Sozialkarte (Berlin-Ticket S)

Zu dieser Monatskarte fiel die Entscheidung erst 10 Tage vor dem 1. April. Aber es war eine gute Entscheidung: Zum einen blieb der Preis stabil bei 33,50 Euro. Das ist zwar für viele der Betroffenen immer noch ein hoher oder gar zu hoher Preis, aber die Zahl von inzwischen monatlich rund 130 000 verkauften Tickets zeigt, wie viele von dieser Preisstabilität profitieren. Zum anderen wurden die Nutzungsmöglichkeiten in wichtigen Punkten denen des VBB-Tarifs für die Umweltkarte AB angepasst, also

  • Gültigkeit des Sozialtickets auch auf Regionalzügen,
  • Möglichkeit zur Nutzung eines Anschlussfahrscheins für den C-Bereich.

Damit haben SPD und Linkspartei.PDS ihre Koalitionsvereinbarung vom Oktober 2006 an dieser Stelle erfolgreich umgesetzt.

Fazit

Selten ist bei einer Tariferhöhung die Differenz zwischen „Gewinnern“ und „Verlierern“ so groß gewesen. Entsprechend uninteressant bzw. ärgerlich ist für die einzelnen Fahrgäste der Verweis auf den statistischen VBB-Durchschnittswert von unter 3%. Die beachtliche Zahl stabiler Fahrpreise in Berlin ist ohne Frage ein Erfolg. Aber die unbegründete überdurchschnittliche Erhöhung einzelner Tarifposten und die zunehmende Zahl struktureller Ungereimtheiten in der Tarifstruktur unterstreichen die Dringlichkeit der Forderung von Berlins Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer, die bereits am 9. Oktober 2006 eine grundlegende Tarifstrukturreform angemahnt hatte.

Berliner Fahrgastverband IGEB

aus SIGNAL 2/2007 (April/Mai 2007), Seite 13

 

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