Straßenbahnausbau in Berlin

Eine Frage des Geldes? Oder des politischen Willens?

Mit der Eröffnung der Adlershofer Strecke ist, mehr als vier Jahre nach der letzten Inbetriebnahme einer neuen Trasse, das Berliner Straßenbahnnetz wieder ein Stück gewachsen. Allerdings geschieht das Wachstum schon seit zwanzig Jahren nur im Schneckentempo. Ist dies, vor allem angesichts der wirtschaftlichen Verhältnisse, nicht anders möglich?

Gympel
Ein Provisorium sollte die Endhaltestelle am U-Bahnhof Warschauer Straße sein, als sie im Mai 2000 in Betrieb ging. Doch wann die geplante Verlängerung Richtung Schlesisches Tor und Hermannplatz erfolgt, ist inzwischen völlig offen.
Gympel
Als 1976 die U-Bahn zur Osloer Straße eröffnet wurde, war die Straßenbahn schon einmal dort gewesen: 1927/28 ging die Strecke durch die See-, Osloer, Bornholmer und Wisbyer Straße (erstmals) in Betrieb.
Gympel
Von 1927 bis 1966 fuhr die Straßenbahn über die Heerstraße nach Spandau. Der Platz für die Gleise ist über weite Strecken immer noch vorhanden. Fotos: Jan Gympel

Reden wir nicht von dem, was die DDR seit Mitte der siebziger Jahre in nur anderthalb Dekaden an neuen Straßenbahnstrecken aus dem Boden stampfte. Die Rahmenbedingungen im damaligen Ost-Berlin waren ganz andere als heute in der wiedervereinten Stadt, zudem wurde zum großen Teil auf der „grünen Wiese“ gebaut statt in bereits besiedeltem Gebiet.

Aber blicken wir doch einmal zurück in die Zeit der Weimarer Republik. Weitgehend in Vergessenheit geraten ist, wie viele Tramtrassen damals in Berlin neu entstanden. Eine kleine Chronik:

1. März 1925 – Mit der Strecke in der Jostystraße (heute Teil der Mollstraße) wird – wie östlich bereits vorhanden – auch nördlich des stark frequentierten Alexanderplatzes ein Einrichtungsverkehr eingerichtet: Alle Züge zur Greifswalder Straße und zur Prenzlauer Allee verlassen den Platz über die Neue Königstraße (heute Otto-Braun-Straße), alle Züge von dort erreichen ihn über die Prenzlauer Straße (heute ersetzt durch die Karl- Liebknecht-Straße). Der teilweise notwendige Wechsel des Straßenzuges erfolgt über die Jostystraße, die nur in westlicher Richtung befahren wird.

31. Mai 1925 – Nachdem eine Gleisverbindung zu den Strecken der ehemaligen „Städtischen Straßenbahn Cöpenick“ hergestellt worden ist, beginnt der durchgehende Linienverkehr aus dem Berliner Netz über die Ecke Linden- und Bahnhofstraße hinaus. Zeitgleich geht die Trasse zum Krankenhaus Köpenick in Betrieb.

20. Juli 1926 – Eröffnung der Strecke in der Straße Unter den Eichen von der Drakestraße bis in den Dahlemer Weg hinein. Sie ist als erster Abschnitt einer Verlängerung nach Zehlendorf-Mitte, wenn nicht gar bis nach Potsdam, gedacht.

12. April 1927 – Eröffnung der Strecke auf der Heerstraße: Sie verbindet die bestehenden Gleisanlagen am Bahnhof Heerstraße mit jenen in Pichelsdorf und beinhaltet auch eine Schleife zur Grunewald-Rennbahn (heute Standort des Olympiastadions) über Rennbahnstraße (heute Flatowallee), (späterer) Stadionallee (heute Jesse-Owens-Allee) und Rominter Allee (heute Passenheimer Straße).

22. September 1927 – Eröffnung der Strecke von der Berliner Straße (heute Tempelhofer Damm) über die Flughafenstraße (in Fortsetzung der Paradestraße, heute in diesem Bereich nicht mehr vorhanden) zum (damaligen) Abfertigungsgebäude des Flughafens Tempelhof, der damit wenige Jahre nach seiner Inbetriebnahme an die Straßenbahn angeschlossen worden ist.

15. November 1927 – Eröffnung der Strecke in der Seestraße zwischen [...]




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Jan Gympel

aus SIGNAL 4/2011 (Oktober 2011), Seite 6-7

 

 

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