Aktuell

Straßenbahnverlängerung in Adlershof:
Feiern und Fordern

IGEB und BUND legen Drei-Punkte-Plan vor


Berliner Fahrgastverband IGEB und Bund für Umwelt- und Naturschutz, BUND Berlin

19. Okt 2011

Titelbild: Straßenbahn auf der am 4. September 2011 eröffneten Naubaustrecke zur Wissenschaftsstadt Adlershof. So erfreulich die Verlängerung ist, so ärgerlich sind die Ampelschaltungen auf der Rudower Chaussee. Es gibt keine Vorrangschaltung für die Straßenbahn, viel mehr muss die Tram stets dem Autoverkehr Vorrang gewähren. Foto: Marc Heller
Fröhlicher Empfang für den Eröffnungszug am 4. September auf der verlängerten Straßenbahnstrecke. Foto: Florian Müller
Am S-Bahnhof Adlershof sind die Wege für Umsteiger zwischen S-Bahn und Tram nun kürzer. Aber die Fahrplanabstimmung muss noch verbessert werden. Foto: Marc Heller
Gelungene, nicht kommerzielle Werbung der BVG auf dem Eröffnungszug in die Wissenschaftsstadt. Foto: Marc Heller
Der vielfältigen engagierten Werbung der BVG für die Eröffnung der Streckenverlängerung stand ein misslungenes Straßenfest gegenüber, bei dem sich zwar ein Autohändler, nicht aber Berlins Fahrgast- und Umweltverbände präsentieren konnten. Fotos: Florian Müller
Foto: Florian Müller
Neubaustrecke mit Rasengleisen auf der Rudower Chaussee. Lediglich unmittelbar am S-Bahnhof war die Straße am 4.9. noch nicht fertig geworden. Foto: Marc Heller
Damit die Straßenbahnen auf der neuen Strecke gut genutzt werden, muss schnell der 2. Bauabschnitt (BA) zum Bahnhof Schöneweide realisiert werden. Es ist unbegreiflich, dass am Eröffnungstag nicht auch der Startschuss für den Weiterbau gegeben wurde. Geld ist aus den vom Land Berlin einbehaltenen S-Bahn-Geldern ausreichend vorhanden. Karte: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
Foto: Tom Gerlich
Ärgerlich und nicht ganz ungefährlich für die Fahrgäste sind die zu schmalen Bahnsteige der Straßenbahn unter den Bahnbrücken am S-Bahnhof Adlershof. Aber diese Fehlplanung lässt sich leider nicht mehr korrigieren. Foto: Marc Heller

Gerade noch rechtzeitig vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus konnte am 4. September die 1,5 km lange Straßenbahnverlängerung vom S-Bahnhof Adlershof in die Wissenschaftsstadt Adlershof (WISTA) in Betrieb genommen werden. IGEB und BUND haben wiederholt auf den Bau der Strecke gedrängt und begrüßen diesen Beitrag zu mehr Elektromobilität.

Wie alle anderen seit der Wiedervereinigung gebauten Straßenbahnverlängerungen wird auch diese Strecke viele Fahrgäste haben. Um die großen Fahrgastpotenziale in der schnell wachsenden Wissenschaftsstadt tatsächlich ausnutzen zu können, sind allerdings drei ergänzende Maßnahmen wichtig und dringlich:

  1. Verbesserte Abstimmung der Fahrpläne zwischen den von und zum S-Bahnhof Adlershof verkehrenden Straßenbahn- und Buslinien

    In dem seit der Inbetriebnahme geltenden Fahrplan gibt es minutengleiche Abfahrtsund Ankunftszeiten der meisten Busse und Straßenbahnen am S-Bahnhof Adlershof. Das bedeutet für die Fahrgäste unnötig lange Wartezeiten und schlechte Umsteigeanschlüsse von und zu den S-Bahn- Linien sowie Pulkfahrten von Bussen und Straßenbahnen auf der Rudower Chaussee. IGEB und BUND fordern deshalb eine Überarbeitung der Fahrpläne für den Busund Straßenbahnverkehr im Bereich der Rudower Chaussee.

  2. S-Bahn-Linie S 85 muss zügig wieder in Betrieb genommen werden

    Die S-Bahn muss zügig wieder das volle Fahrplan- und Platzangebot auf der Strecke zum S-Bahnhof Adlershof anbieten. Zurzeit fahren dort statt fünf lediglich drei S-Bahn-Linien – und diese auch noch mit verkürzten Zuglängen. Insbesondere in den (Halb-) Zügen der S 8 herrscht selbst außerhalb des Berufsverkehrs drangvolle Enge.

    IGEB und BUND fordern deshalb die schnelle Wiederinbetriebnahme der S 85.

  3. Durchbindung der Straßenbahn von Adlershof nach Schöneweide!

    Attraktiv wird die neue Straßenbahnstrecke für viele weitere Fahrgäste zur WISTA, wenn die Durchbindung bis zum Regional- und S-Bahnhof Schöneweide erfolgt ist. Da bei der Entwicklung der WISTA die Trasse auf vielen Abschnitten schon baulich vorbereitet wurde, wäre der Lückenschluss mit relativ geringem baulichem und finanziellem Aufwand in höchstens 3 Jahren finanzierbar und realisierbar.

    Mit der Straßenbahnverlängerung nach Schöneweide würde es eine schnellere und bequemere Erreichbarkeit der WISTA vor allem aus den östlichen und nordöstlichen Bezirken geben, und der Hochschulstandort Oberschöneweide/Karlshorst erhielte eine attraktive Direktverbindung zur WISTA. Die Entwicklung der Wissenschaftsstadt bekäme einen wichtigen Impuls, was auch für die weitere Vermarktung der landeseigenen Flächen in Adlershof positiv wäre. Den Ausgaben für die weitere Straßenbahnverlängerung stünden dann mehr Einnahmen für das Land Berlin aus Grundstücksverkäufen gegenüber.

    BUND und Berliner Fahrgastverband IGEB fordern daher eine baldige Realisierung dieser Straßenbahn-Neubaustrecke zwischen der Wissenschaftsstadt Adlershof und dem Regional- und S-Bahnhof Schöneweide.

Berliner Fahrgastverband IGEB und Bund für Umwelt- und Naturschutz, BUND Berlin

aus SIGNAL 4/2011 (Oktober 2011), Seite 4-5