Alle Jahre wieder

DB beschert im Dezember nächste Fahrpreiserhöhung

Ein Jahr nach der letzten drastischen Fahrpreiserhöhung will die Deutsche Bahn zum 14. Dezember 2008 Einzelfahrscheine und Zeitkarten erneut verteuern...

Lok
„Unsere Preise schonen ihren Geldbeutel“. Ein schöner Werbespruch der Bahn (rechts auf der Lok) – das Statistische Bundesamt errechnete für den öffentlichen Personennahverkehr und für die DB im Vergleich zum Hauptwettbewerber Auto deutlich höhere Preissteigerungen im Zeitraum 2000 bis 2008. Foto: Christian Schultz

Für die 2. Klasse nennt die DB einen Durchschnittswert von 3,9 %, doch teilweise liegen die Fahrpreissteigerungen deutlich höher. So beträgt in der Relation Frankfurt am Main— München der ICE-Fahrpreis für die einfache Fahrt in der 2. Klasse derzeit 85 Euro (Normalpreis) und künftig 89 Euro – eine Steigerung um 4,7 %. Bereits im Dezember 2007 war in dieser Relation der Fahrpreis ebenfalls überdurchschnittlich um 4,9 % angehoben worden.

Darüber hinaus werden die Länder-Tickets um 1 Euro und das Schöne-Wochenende-Ticket ebenfalls überdurchschnittlich um 2 Euro (+5,7 % !) verteuert. Die BahnCard-Preise werden um durchschnittlich 3,6 % angehoben. So kostet beispielsweise die BahnCard 25 für die zweite Klasse dann 57 statt 55 Euro, vor der Erhöhung im Dezember 2007 waren es noch 53 Euro. Für die BahnCard 50 sind ab Dezember 2008 für die zweite Klasse 225 Euro fällig – bisher 220 Euro und bis Dezember 2007 noch 212 Euro. Sitzplatzreservierungen bleiben dagegen preisstabil.

Zugleich erfolgen auch einige wenige Angebotsverbesserungen. So wird zum Beispiel das bislang bis Ende 2008 befristete „Dauer-Spezial“ für die 2. Klasse preislich unverändert (ab 29 Euro) und in gleicher Kontingentgröße bis zum 31.12.2009 verlängert. Außerdem gibt es dieses Angebot – wie von DBV und IGEB angeregt – jetzt auch für Reisen in der 1. Klasse (ab 49 Euro).

Bereits zum 1. Oktober 2008 wurde das Angebot „Europa-Spezial“ auf die Länder Luxemburg, Kroatien, Slowenien, Tschechien und Ungarn ausgeweitet. Dadurch sind im Verkehr mit diesen Ländern jedoch die Angebote „Sparpreis 25/50“ sowie das Internetangebot „Surf&Rail International“ entfallen.

Das für alle BahnCard-Besitzer mit einer Fernverkehrsfahrkarte attraktive Ergänzungsangebot „City-Ticket“, das die kostenlose Anschlussnutzung mit dem öffentlichen Nahverkehr am Zielort ermöglicht, soll auf bis zu 116 Städte ausgeweitet werden. Nur Berlin-Besucher müssen offiziell noch immer einen neuen Nahverkehrsfahrschein lösen, wenn Sie in die Berliner Tarifzone B fahren – ein absurder Zustand angesichts des geringen „Streitwertes“. Bisher gilt das City-Ticket Berlin nur in der Innenstadtzone A.

Bedienzuschlag für personalbedienten Verkauf zurückgezogen

Absurd waren auch die Pläne der DB AG, einen Bedienzuschlag von 2,50 Euro für den personalbedienten Verkauf einzuführen. Die Einführung einer derartigen Gebühr wäre für ein dienstleistungs- bzw. serviceorientiertes Unternehmen eine äußerst fragwürdige Maßnahme gewesen. Gerade die Gruppe der Gelegenheitsfahrer, viele Senioren oder gar Neukunden sind angesichts des komplexen Tarifgefüges auf Beratung angewiesen bzw. mit der Bedienung der Fahrkarten- Automaten vielfach überfordert.

Unverständlich war beim Bedienzuschlag auch das völlig unprofessionelle Vorgehen der Deutschen Bahn: Erst wurde ein Bedien zuschlag angekündigt, wenige Tage später wurde dann ein Teilzugeständnis gemacht, indem der Bedienzuschlag für ältere und behinderte Kunden zurückgezogen wurde, und schließlich nahm man nach einem knappen halben Monat und deutlichen Worten aus der Bundesregierung von diesem Vorhaben komplett Abstand. Damit wurde auch die angekündigte „Senioren-BahnCard“ zurückgezogen. Was zurückbleibt, ist ein erheblicher und peinlicher Imageschaden mit unzähligen Negativ-Schlagzeilen in den Medien.

Teuerung bei der Bahn größer als beim Auto

Bereits zum 1. Januar 2007 und zum 9. Dezember 2007 waren die Fahrpreise spürbar um durchschnittlich 5,6 % bzw. 2,9 % angehoben worden. Bei Fortsetzung dieser Preispolitik besteht eine erhebliche Gefahr, dass Fahrgäste sich künftig verstärkt für andere Verkehrsträger entscheiden. Die Chance, angesichts der Verteuerung von Auto und Flugzeug deutlich mehr Kunden zu gewinnen, macht die Deutsche Bahn auf diese Weise wieder zunichte. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, stiegen die Verbraucherpreise für den Kauf und die Unterhaltung eines Kraftfahrzeugs im Zeitraum August 2000 bis August 2008 zwar überdurchschnittlich (im Vergleich zur gesamten Preisentwicklung) um 25,2 %, aber mit einer Steigerung um 36,3 % war die Teuerungsrate beim öffentlichen Personennahverkehr noch deutlich höher. Und auch bei den Bahntickets waren die Preissteigerungen mit 27,0 % höher als beim Auto – eine alarmierende Bilanz!

So wird das verkehrspolitische Ziel gefährdet, mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen. Gerade Neukunden sorgen aber für Mehreinnahmen, moderate Fahrpreiserhöhungen sollten deshalb möglich sein. Unverständlich und ärgerlich ist auch die standardmäßige Begründung „gestiegene Energie- und Personalkosten“. Zum einen werden hierbei Mehreinnahmen durch Mehrverkehr ausgeblendet, zum anderen Kosteneinsparungen durch Effizienzsteigerungen, weshalb die DB AG allein für das erste Halbjahr 2008 einen neuen Rekordgewinn von über 1 Milliarde Euro bilanzieren konnte. Es gibt also nur eine Begründung für die zum wiederholten Mal über der allgemeinen Teuerungsrate liegenden Fahrpreisanhebungen: Bilanzverschönerung für den Börsengang.

Deutscher Bahnkunden-Verband
Berliner Fahrgastverband IGEB

aus SIGNAL 5/2008 (November 2008), Seite 7-8

 

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