Berlin

Milliardenschwere Berliner Eisenbahn-Infrastruktur, miserables Betriebsprogramm

Kleine Anfrage vom 15. November 2005

Frage: Wie bewertet der Senat den Umstand, dass am Bahnhof Zoologischer Garten zwar Nachtzüge wie der nach Zürich halten, jedoch nicht die von Grunewald her einsetzenden InterCity-Züge nach Warschau?

Antwort: Das derzeit von der Deutschen Bahn AG (DB AG) beabsichtigte Haltekonzept für den Fernverkehr entspricht nicht den Planungen, auf deren Grundlage das zwischen allen Beteiligten abgestimmte Pilzkonzept planfestgestellt wurde. Der Senat hält die Entscheidung der DB AG für falsch, nicht alle Züge, die mit dem neuen Fahrplan ab Mai 2006 weiterhin über die Stadtbahn verkehren - wie zum Beispiel die InterCity-Züge aus/nach Warschau - am Bahnhof Zoologischer Garten halten zu lassen.

Frage: Wie begründet die DB AG das Durchfahren derZüge nach Warschau am Bahnhof Zoo?

Titelblatt
Bildunterschrift Foto: Fotograf

Antwort: Die DB AG begründet das Durchfahren der Fernzüge am Bahnhof Zoologischer Garten mit kürzeren Fahrzeiten.

Frage: Welche Maßnahmen hat der Senat ergriffen, um die DB AG dazu zu veranlassen, weitere Fernzüge am Bahnhof Zoo halten zu lassen?

Antwort: Der Senat hat sich sowohl in vielen Gesprächen mit der DB AG als auch schriftlich bei der DB AG für den Halt von ICE-Zügen am Bahnhof Zoo eingesetzt. Dabei hat er u.a. auch darauf hingewiesen, dass sich durch den Wegfall des Fernbahnhaltes Zoologischer Garten die Erreichbarkeit besonders auf den Ost-West-Relationen für viele Kunden verschlechtern wird und das veränderte Haltekonzept nicht der bisherigen Abstimmung zwischen Bahn und dem Land Berlin entspricht.

Der Fernverkehr wird jedoch in unternehmerischer Verantwortung der DB AG (eigenwirtschaftlich) angeboten. Der Senat hat daher keine direkten Einflussmöglichkeiten.

Berlin, den 2. Dezember 2005
Staatssekretärin Maria Krautzberger
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

[IGEB]

Erfreulich ist die klare Positionierung des Senats für den Erhalt des Fernbahnhaltes Zoologischer Garten. Die Verknüpfung mit 5- und U-Bahnlinien sowohl in Ost-West- als auch in Nord-Süd-Richtung ist hier ideal und auch in den kommenden Jahren wesentlicher Standortvorteil gegenüber dem Hauptbahnhof-Lehrter Bahnhof.

Die Fahrzeiten mit dem ÖPNV von/zum Fernzug sind grundsätzlich Bestandteil der Gesamtreisezeit. Schnelle und dazu möglichst umsteigefreie ÖPNV-Verbindungen am Abfahrts- bzw. Zielort tragen nicht unwesentlich dazu bei, ob sich ein Kunde für oder gegen die Nutzung des ICE- oder IC-Angebotes entscheidet.

Die Begründung seitens der DB AG, dass mit dem Wegfall des Haltes am Bahnhof Zoologischer Garten attraktivere Fahrzeiten im Fernverkehr möglich werden, ist bei einer Fahrzeitverkürzung von vier Minuten absurd. Dies gilt erst recht, solange an anderer Stelle deutliche Fahrzeitverlängerungen akzeptiert werden müssen. Benötigte beispielsweise ein EuroCity im Jahr 1995 zwischen Berlin-Schönefeld Flughafen und Dresden Hbf eine Fahrzeit von 1.34 Stunden, so sind es im laufenden Fahrplanabschnitt mittlerweile 1.54 Stunden!

Angesichts der dramatischen Preisentwicklung auf dem Energiemarkt sollte es zudem selbstverständliches Ziel sein, den Umstieg auf die Bahn zu erleichtern, anstatt künstlich neue Zugangsbarrieren zu schaffen.

Auch wenn eine direkte Einflussnahme auf das Fernverkehrsangebot der DB AG nicht möglich sein mag, so kann die Haltung des Senats in diesem Punkt nicht zufrieden stellen. Der Bund hat als Eigentümer die Möglichkeit der politischen Einflussnahme auf die DB AG, hier erforderliche Korrekturen herbeizuführen. Dieser Umstand muss vom Senat intensiver genutzt werden!

Es ist nicht nachvollziehbar, dass der mit dem Fernbahnhalt Berlin Zoologischer Garten verbundene Kundennutzen den wirtschaftlichen Erwägungen der DB AG bzw. der schnellen Kapitalmarktfähigkeit untergeordnet wird. Hinzu kommt, dass selbst einige Mitarbeiter der Bahn den Verzicht auf den Fernbahnhalt Zoologischer Garten zumindest für die DB Fernverkehr AG wenn nicht sogar für das Konzernergebnis als wirtschaftlich nachteilig einschätzen.

Somit darf man hoffen, dass die DB AG ihre Entscheidung im eigenen Interesse schon bald korrigieren wird.

Claudia Hämmerling (Bündnis 90/Die Grünen), Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin

aus SIGNAL 1/2006 (Februar/März 2006), Seite 8

 

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