Schienenverkehrswochen 1996

Kennen Sie Premnitz?

Nach Premnitz verschlug es eine bunt gemischte Truppe von 26 Menschen, die im Rahmen der Schienenverkehrs-Wochen dem Werk der Märkischen Faser AG und der Anschlußbahn am 4. Mai einen Besuch abstatteten. Die Anreise erfolgte selbstverständlich mit der Bahn. Erwähnt sei hierbei, daß der Anschluß in Brandenburg nach Rathenow vorbildlich war.

Triebwagenhalle
Foto: Thomas Billik (Triebwagenhalle)
Gruppe
Im Rahmen der Schienenverkehrs-Wochen hatte die S-Bahn Berlin GmbH am 10. Mai die Besichtigung des ehemaligen S-Bw Hundekehle in Berlin-Grunewald ermöglicht. Der interessante Abend war - wie erwartet - gut besucht. Foto: Mark Heller
Werk
Foto: VEB Chemiefaser
Werk
Eine für das Programm der Schienenverkehrs-Wochen ungewöhnliche Exkursion führte nach Premnitz zum ehemaligen VEB Chemiefaserwerk 'Friedrich Engels', der heutigen Märkische Faser AG Premnitz. Foto: Lichtbild Hempel

Am Werkstor bereits begann die Reise in die Vergangenheit. Auf einem steinernen Podest trohnt Friedrich Engels, links und rechts umrahmt von steingewordenen Zitaten, und verkündete, der Gegenwart zum Trotz, der Welt die Gleichheit der Arbeiterschaft. Die Entscheidung, ob Abriß oder Stehenlassen, wurde dem Eigentümer durch die Denkmalbehörde abgenommen. Das Ensemble steht unter Denkmalschutz. Die Fahnenstangen links und rechts von Herrn Engels rosten vor sich hin und sind bereits heute so zugewuchert, das ein Herankommen an sie schon nicht mehr ohne Probleme möglich ist.

Hier werden also chemische Fasern hergestellt. Auch für den, der von Chemie keine Ahnung hat, lohnte sich die Besichtigung. Angefangen von den Aufbewahrungsbehältern der einzelnen Chemikalien über die Leitwarte bis hin zum Endprodukt, einem kilometerlangen Endlosfaden, der durch Einwirkung von Hitze, Kälte, Dehnen. Trennen und Waschen zu dem wird, was wir zum Teil in unserer Kleidung tragen, wurde uns bereitwillig alles gezeigt und auf jede Frage eine Antwort gegeben. Und natürlich kam es so, wie es kommen mußte. Die Zeitplanungen wurden zu Makulatur. Und am Schluß, es sollte ja noch weitergehen, blieb Herrn Rauwald für "seine" Bahn nur eine gute dreiviertel Stunde Zeit. Anhand eines Modells erklärte er die Entwicklung des Werks und der Werksbahn. Gegründet wurde das Werk um die Jahrhundertwende, gehörte im Nationalsozialismus zur "IG Farben", wurde dann Volkseigentum, geriet nach der Wende in die Hände eines schweizerischen Spekulanten und gehört heute der Westdeutschen Landesbank.

Was zum guten Schluß blieb, waren viele interessante und neue Eindrücke und das Wissen darum. zu den "Priveligierten" zu gehören, die hier normalerweise nicht hereinkommen. An dieser Stelle sei den Verantwortlichen, die den Besuch so unkompliziert genehmigten, nochmals ein herzliches Dankeschön gesagt.

IGEB

aus SIGNAL 6/1996 (September 1996), Seite 2

 

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