Stadtverkehr

BVG-Straßenbahnen weiterhin ohne neue Fahrkartenautomaten

Bei diesem Thema erinnern Sie sich vielleicht an unsere Artikel in SIGNAL 6/2012, 4/2014 und 5/2015. Dort berichteten wir über die Problematik der Fahrkartenautomaten in den BVG-Straßenbahnfahrzeugen.

Der Katalog der Gründe und Ausreden, warum es keine neuen Automaten bei der Straßenbahn gibt, ist so dick wie das Branchenbuch Berlin.

Bus
Im Rahmen der Werbekampagne „Weil wir dich lieben“ beklebt die BVG ihre Fahrzeuge mit (zum Teil albernen) Sprüchen. So wie auf diesem Bus: „Damit Pferd es sich ganz günstig“. Mit Hinweis auf die Tageskarte AB für 7 Euro. Diesen Text haben wir noch bei keiner Straßenbahn gefunden. Das ist auch besser so, denn dort kann man dieses Ticket nur kaufen, wenn man genügend Kleingeld parat hat, also am besten sieben 1-Euro-Münzen. Foto: Michael Dittrich

Auch jetzt hat die BVG die angekündigten neuen Automaten noch nicht eingebaut. Im Gegenteil, sie hat den Auftrag storniert! Das geht aus einer Pressemitteilung der Firma METRIC mobility solutions AG (vormals Höft & Wessel) vom 8. Juli 2016 hervor. Über die Gründe des Vertragsrücktritts der BVG kann nur spekuliert werden, denn eine Erklärung der BVG gibt es dazu nicht.

Wie geht es nun weiter?

Fest steht lediglich, dass es in absehbarer Zeit keine neuen Automaten geben wird. Damit bleiben also bei der Straßenbahn die Probleme mit den alten Automaten bestehen. Das heißt: Es wird weiterhin keine Schein- oder Kartenzahlung möglich

ANZEIGE www.eprimo.de

sein, und es wird weiterhin Probleme bei der Annahme von 2-Euro-Münzen geben. Problematisch ist auch die Rechtslage. Nach unserer Einschätzung muss die BVG nun den Auftrag für neue Automaten neu starten, also ein neues Lastenheft erstellen bzw. das bisherige den aktuellen Normen anpassen und eine neue öffentliche Ausschreibung durchführen. Nach den Erfahrungen mit der Geschwindigkeit der BVG gehen wir davon aus, bis 2021 neue Automaten haben zu können – sofern der Auftrag nicht erneut storniert wird.

Sollten wir mit der Einschätzung richtig liegen, hätten die bisherigen Automaten ca. 30 Jahre Einsatzzeit hinter sich. Dass es wirtschaftlich ist, solche museumsreifen Automaten zu gebrauchen, darf bezweifelt werden.

Gefahr für alle, die nicht das richtige Kleingeld haben

Fast täglich ist zu erleben, wie Fahrgäste, die nicht genug Kleingeld dabei haben, von Kontrolleuren als Schwarzfahrer aufgeschrieben werden. Insbesondere Touristen, die ahnungslos das erste mal in eine BVG-Straßenbahn steigen, sind davon betroffen, dass die Automaten weder Geldscheine noch Kartenzahlung akzeptieren, und stehen dann als Schwarzfahrer da. Hinzu kommt, dass die Automaten in der Straßenbahn völlig unzureichend beschriftet sind. Auskünfte über das Tarifsystem sind nur begrenzt und an den Tastern auch nur in Deutsch vorhanden.

Aber selbst wer ausreichend Kleingeld dabei hat, kann teilweise keinen Fahrschein erwerben. Angeblich entstehen der BVG jährlich mehrere Millionen Euro Schaden durch ausländische Münzen. Deswegen fallen oftmals die 2-Euro-Münzen durch, so dass der Fahrgast entnervt aufgibt oder aufgeben muss. Kommt dann ein Kontrolleur, wird einfach gesagt: „Ist doch nicht unser Problem, wie Sie sich einen Fahrschein kaufen.“

Senat muss endlich einschreiten

Unserer Meinung nach muss der Senat hier endlich einschreiten und seinen Kontrollaufgaben nachkommen. Ob die Vertragskündigung mit der Insolvenz des Unternehmens Metric zu tun hat, können wir nur spekulieren. Fakt ist, dass die BVG bereits 2013 den Auftrag vergeben hatte und nun nach drei ergebnislosen Jahren stornierte. Die bisherigen Kosten des gescheiterten Auftrags dürften im hohen fünfstelligen Bereich liegen. Geld, das ohne Nutzen verloren ist und letztendlich die Fahrgäste bezahlen müssen.

Aber die nächste Tariferhöhung kommt bestimmt. (md)

IGEB Stadtverkehr

aus SIGNAL 4/2016 (September 2016), Seite 15

 

Die Jahrgänge



Die SIGNAL-Jahrgänge in der Übersicht:

» 2019
» 2018
» 2017
» 2016
» 2015
» 2014
» 2013
» 2012
» 2011
» 2010
» 2009
» 2008
» 2007
» 2006
» 2005
» 2004
» 2003
» 2002
» 2001
» 2000
» 1999
» 1998
» 1997
» 1996
» 1995
» 1994
» 1993
» 1992
» 1991
» 1990
» 1989
1988
1987
1986
1985
1984
1983
1982
» 1981
1980
ANZEIGE

aktuelles Heft

TitelbildDezember 2018/Januar 2019

komplettes Heft »

Die Themen der aktuellen Ausgabe 05-06/2018:

» i2030 – heute für den Schienen-verkehr von morgen planen
» i2030 – Eine Chance für den Bahnverkehr, die genutzt werden muss!
» 444 000 (legale) Grenzgänger
» Kriege, Krisen und Klientelpolitik – 70 Jahre Kollateralschaden Eisenbahn
» Der Weg in die Zukunft will gut geplant sein
» S 3 nach Nauen und/oder Falkenseer Chaussee?
» Die Schlangenlinie: Mit dem RE 6 von Gesundbrunnen in die Prignitz
» Morgen statt 2030 – neue alte Wege nach Basdorf
» Fern-S‑Bahn, Schnellstraßenbahn, U‑Bahn nach Malchow
» Peter Buchner auf dem Sprechtag 2018 für Fahrgäste der Berliner S‑Bahn
» Provisorischer S21-Tunnelbahnhof im Rohbau fertiggestellt
» Sigrid Nikutta auf dem Sprechtag 2018 für Fahrgäste der BVG
» Antworten auf Fragen beim Fahrgastsprechtag BVG
» Straßenbahn für Regensburg
» Neue Niederflurstraßenbahnen für Schöneiche
» Was Fahrgäste bekommen und was nicht
» Jahresfahrplan 2019
» Baustelle Dresdener Bahn
» Schienenverkehr Deutschland—Polen: Ausbau bleibt hinter den Erfordernissen zurück
» In nur 94 Minuten über die Ostbahn von Gorzów nach Berlin
» Europäisches Parlament erteilt starkes Verhandlungsmandat für die Revision der Bahnfahrgastrechte
» Sonderbericht vom EU-Rechnungshof zu den Fahr- und Fluggastrechten in der EU
» Gepäckverlust im Fernbusverkehr



neu hier?
Links lesen Sie einen Artikel aus dem Internetarchiv der Fachzeitschrift Signal, die sich mit Verkehrspolitik für Berlin und Deutschland auseinandersetzt.

Auf signalarchiv.de finden Sie zusätzlich zu ausgewählten Artikeln aus dem aktuellen Heft auch viele ältere Artikel dieser Zeitschrift.





Kontakt - Abo - Werbung - Datenschutz - Impressum
  © GVE-Verlag / signalarchiv.de / holger mertens 2008-2013 - alle Rechte vorbehalten