Brandenburg

Regionalverkehr Berlin-Brandenburg: Was erwartet den Fahrgast diesmal?

Der Fahrplanwechsel im Regionalverkehr Berlin-Brandenburg am 15.12.2002

Im Fernverkehr spricht die Bahn vom „bundesweit größten Fahrplanwechsel seit 1991". Die Stichworte sind: Aufnahme des kompletten Betriebes auf der Neubaustrecke Köln - Frankfurt mit Auswirkungen auf alle Zulaufstrecken, Streichung fast aller IR bzw. Umwandlung in IC und nicht zuletzt das neue Preissystem. Davon sind auch Regionalreisende in Berlin und Brandenburg betroffen, die mit VBB-Fahrscheinen nicht mehr zwischen Berlin und Prenzlau die Fernzüge benutzen dürfen (siehe voriger Artikel). Im eigentlichen Regionalverkehr halten sich die Änderungen in Berlin-Brandenburg dagegen im Rahmen. Neuigkeiten gibt es vor allem im Gebiet nordwestlich Berlins und in der Lausitz.

Neues im Nordwesten von Berlin

Die Nordwest-Äste der RE-Linien 2 und 4 werden vertauscht. Der RE 2 verkehrt zukünftig stündlich von Cottbus über die Berliner Stadtbahn nach Wittenberge und alle zwei Stunden weiter nach Wismar. Der RE 4 verkehrt abwechselnd von Falkenberg und Lutherstadt Wittenberg nach Jüterbog und stündlich weiter nach Berlin und Rathenow. Diese Maßnahme wird von der Bahn vor allem mit der höheren Fahrplanstabilität insbesondere auf dem bisher sehr verspätungsanfälligen RE4 begründet. Ein weiterer Grund liegt in der geplanten Verlängerung der Züge Auf vier Doppelstockwagen, die besonders auf den Ästen nach Wittenberge und Cottbus nötig ist. Durch den Tausch beider Äste kommt es zu einer Veränderung der Anschlusssituation. Der RE 2 (ehemals RE 4) erreicht nun wieder den Taktknoten Bad Kleinen, der neue RE 4 hat in Rathenow guten Anschluss nach Stendal, wo alle zwei Stunden Anschluss zum IC Richtung Hannover-Amsterdam besteht. Damit hat Rathenow nach dem Wegfall der dortigen Fernzughalt wenigstens eine passable Umsteigeverbindung nach Westen. Deutlich schlechter werden dagegen die Anschlüsse in Neustadt (Dosse) nach Kyritz und Pritzwalk.

Bahnhofswartehalle
Die Wartemöglichkeit im Bahnhof Prenzlau werden jetzt sicher mehr genutzt werden, wenn die Reisenden nach Berlin länger warten müssen. Foto: Florian Müller

Aus Sicht der längere Strecken fahrenden Fahrgäste zu begrüßen - wenn auch ein Wermutstropfen ist für manche Pendler - ist der Wegfall der RE-Halte der Linien 2 und 5 in Brieselang, Finkenkrug, Seegefeld und Albrechtshof. Stattdessen fährt neu die RB 10 im Halbstundentakt von Nauen nach Berlin-Charlottenburg mit Halt auf allen Unterwegsbahnhöfen.

Während der voraussichtlich ab 24. Febrar bis 14. Dezember 2003 stattfindenden Sperrung der S-Bahn zwischen Zoo und Charlottenburg halten die Züge der Linien RE 1 und RE 3 in Charlottenburg. Dabei besteht unmittelbarer Anschluss in beiden Richtungen zwischen der RB 10 und dem RE 1 Richtung Innenstadt.

Einige Berufsverkehrszüge des RE 2 halten auch weiterhin in Brieselang und Finkenkrug.

Der RE 6 verkehrt zukünftig nicht mehr zwischen Spandau und Charlottenburg, sondern zum neuen Ausgangspunkt Berlin-Jungfernheide. Damit wird die Stadtbahn entlastet und eine langjährige Idee der IGEB aufgegriffen. Der vor einigen Jahren neugebaute Regionalbahnsteig in Jungfernheide war seitdem ungenutzt. In Jungfernheide besteht Anschluss zur Ring-S-Bahn (Nordring/Westring) sowie zur U7. Damit wird endlich eine Lücke im Berliner Schienennetz geschlossen, die bis 1980 mit der S-Bahn bedient wurde. Die Fahrzeit der RE 6 von Spandau nach Jungfernheide beträgt dann nur sieben Minuten. Die parallel fahrende U-Bahn-Linie 7 braucht 13 Minuten. Ob dieser „Parallelverkehr" Auswirkungen auf die mit schwindenden Fahrgastzahlen zu kämpfende U 7 hat, wird sich zeigen. Durch die Feinerschließung und den dichten Takt der U 7 sowie dem Umsteigezwang und Stundentakt im Vergleich mit dem RE 6 werden sicherliche keine massiven Fahrgastabwanderungen zu erwarten sein.

Kleine Änderungen bei RE-Linien

Verschiebungen der Taktlage bei manchen Regionalexpresslinien haben Veränderungen in der Anschlussgestaltung zur Folge. Der RE 1 verkehrt zukünftig um etwa 25 Minuten verschoben. Damit haben die Züge einerseits klar verbesserte Fernverkehrsanschlüsse in Magdeburg, andererseits konnte so erreicht werden, dass die Züge der RB 52 Brandenburg-Belzig nicht nur wie gehabt den Anschluss in Brandenburg von und nach Berlin erreichen, sondern endlich wieder die Anschlüsse Brandenburg-Dessau in Beizig möglich sind.

Bahnsteig in Prenzlau
Bahnsteig des Bahnhofs Prenzlau mit einem RE aus Berlin. Foto: Florian Müller

Der RE 5 fährt ebenfalls um etwa eine gute Viertelstunde versetzt. Damit werden Neustrelitz und Güstrow wieder zu echten Taktknoten, und die Anschlüsse in Stralsund zur Insel Rügen werden klar besser. Diesen Verbesserungen stehen eine deutliche Verschlechterung der Anschlüsse in Rostock etwa nach Ribnitz-Damgarten oder Bad Doberan gegenüber.

Eine weitere Verschlechterung der ohnehin schon schlechten derzeitigen Situation ist, dass zukünftig der erste Zug aus Richtung Rostock erst um 9.38 den Berliner Ostbahnhof erreicht, der letzte Richtung Rostock dagegen bereits 18.13 dort abfährt; nur Freitag und Sonnabend geht es noch zwei Stunden später.

Viel Neues in der Lausitz

Neu gestaltet sich dagegen der Verkehr im Südosten von Brandenburg. Der RE 1 endet bis Juni 2003 baubedingt mit allen Zügen (außer in Tagesrandlage) in Frankfurt (Oder). Zwischen Frankfurt (Oder) und Cottbus verkehrt zukünftig der RE 11, hinzu kommen Verstärker Frankfurt - Eisenhüttenstadt im Schienenersatzverkehr.

Der RE 11 verkehrt stündlich zwischen Frankfurt und Cottbus (werktags bis Senftenberg) mit Halt auf allen Unterwegsbahnhöfen, alle zwei Stunden weiter bis Ruhland.

Der RE 18 verkehrt Cottbus - Elsterwerda - Dresden im Zweistundentakt. Weil er zwischen Cottbus und Ruhland nur noch in Senftenberg hält, reduziert sich seine Fahrzeit etwas. Am Rande sei bemerkt, dass zukünftig die Züge vor Großenhain die Dresdner Bahn verlassen und zukünftig über Großenhain Cottbuser Bahnhof, Priestewitz und Coswig verkehren werden. Der Berliner Bahnhof in Großenhain ist somit ohne Personenverkehr.

Der südöstliche Ast des RE 5 endet statt bisher in Hoyerswerda bereits in Senftenberg. Dafür wird die RB 14 aus Berlin-Schöneweide alle zwei Stunden nach Hoyerswerda verlängert. Allerdings gibt es zwischen RE 5 und RB 14 keine brauchbaren Anschlüsse.

Der RE 4 endet statt wie bisher in Elsterwerda-Biehla bereits in Falkenberg. Von dort besteht Anschluss an die RB 49 nach Hoyerswerda. Wochenendticketreisende nach Dresden müssen so einmal mehr umsteigen.

Positiv ist, dass die Bahn es endlich geschafft hat, Falkenberg zu einem echten Taktknoten zu machen. Jeweils zur geraden Stunde treffen sich die RE 4 Richtung Berlin - Rathenow, die Regionalbahnen nach Dessau und Riesa, die RB 49 Richtung Ruhland - Hoyerswerda und der RE 10 Richtung Leipzig und Cottbus. Zur ungeraden Stunde kann man zwischen der RB 43 Richtung Cottbus und dem RE 11 Richtung Leipzig und Elsterwerda/Hoyerswerda umsteigen.

S-Bahnsteig mit Blick zum Regionalbahnsteig in Gesundbrunnen
Der seit Jahren ungenutzte Regionalbahnsteig in Jungfernheide wird zum Fahrplanwechsel endlich in Betrieb genommen. Hier besteht guter Anschluss zum Nordring und zur U-Bahn. Foto: Florian Müller, November 2002

Der Verkehr von Cottbus nach Görlitz und weiter nach Zittau wird aufgrund der Bestellung durch die Länder Brandenburg und Sachsen von Connex übernommen (durch die Lausitzbahn). An der prinzipiellen Bedienhäufigkeit ändert sich nicht viel, allerdings entfallen so die bisherigen Durchbindungen (Rathenow) - Berlin - Cottbus - Görlitz - Zittau, da Berlin - Cottbus wie bisher von DB Regio bedient wird. Einmal am Tag fährt jedoch Connex auf eigene Rechnung von Cottbus weiter nach Berlin-Lichtenberg (täglich) und an die Ostsee nach Stralsund (freitags bis montags) und wieder zurück. Zwischen Spremberg, Berlin und Prenzlau gelten außer den günstigen Connex-Fahrpreisen auch die Fahrscheine des VBB.

Diverses im Berliner Raum

  • Keine Durchbindung mehr von RB 12 und RB 36. Die Züge von und nach Templin bzw. Beeskow/Frankfurt beginnen/enden jeweils in Berlin-Lichtenberg.
  • Stundentakt auf der RB60 Berlin-Lichtenberg - Eberswalde auch am Wochenende (montags bis freitags wie gehabt Stundentakt bis Wriezen). Dafür entfallen die wochenendlichen Durchbindungen Templin - Eberswalde - Bernau.
  • Voraussichtlich ab Februar 2003 für längere Zeit baubedingter Schienenersatzverkehr Rathenow - Brandenburg.
  • Züge der RB 24 Wünsdorf - Berlin-Lichtenberg halten nun in beiden Richtungen in Berlin-Schöneweide. Klare Verschlechterung: anders als zuvor besteht kein Anschluss mehr in Schönefeld von/zum RE 4 zur Stadtbahn.
  • Von der RB 22 besteht in Schönefeld ein 3/4-Minutenübergang zum RE 5 zur Stadtbahn. In Gegenrichtung liegen die Übergangszeiten alternierend teils bei drei Minuten, teils werden die Anschlüsse schon fahrplanmäßig knapp verpasst.

    Die Übergänge in Potsdam zum RE 1 nach Berlin haben sich verschlechtert und liegen bei 17 bzw. 22 Minuten. Da durchaus einiger Bedarf für Reisen zwischen Berlin und Caputh sowie dem Bereich Pirschheide (Sparkassenakademie) besteht, ist hier Nachbesserung angesagt. Auch der Übergang aus Richtung Schönefeld in Richtung Beizig in Michendorf liegt nun bei 15 Minuten. War der Sinn der Umwegführung der RB22 schon immer eher fraglich, dürfte die zukünftige Verschlechterung der Anschlüsse erst recht nicht zu einer wachsenden Auslastung beitragen.

  • Zwischen Lübben und Berlin entfallen die Halte bei einem abendlichen RE aus Cottbus auf den kleineren Unterwegsbahnhöfen. Damit ergibt sich zwischen ca. 21 und 23.30 dort eine zweieinhalbstündige Bedienlücke für die Unterwegsbahnhöfe.

Ausflugs- und grenzüberschreitender Verkehr

Bahnhof Charlottenburg
Der Bahnhof Charlottenburg wird während der Sperrung der Stadtbahn in Richtung Bahnhof Zoo der westlichste Endpunkt der S-Bahn werden. Dafür halten hier zusätzliche Regionalexpress-Linien. Foto: Frank Böhnke

Im Ausflugsverkehr bleiben die bewährten Wochenendzüge in den Harz und nach Warnemünde im Fahrplan. Auch beim Ausflugszug Berlin-Lichtenberg - Löwenberg - Rheinsberg bleibt alles beim Alten. Im Sommer fährt der Zug täglich, im Winter samstags und sonntags. Zur Internationalen Gartenbauausstellung (IGA) in Rostock-Schmarl fährt von April bis Oktober ein täglicher Ausflugszug Berlin Zoo - Warnemünde über die Stadtbahn und weiter ab Ostbahnhof direkt nach Oranienburg und ohne weiteren Zwischenhalt nach Rostock. Wie auch der Warnemünde-Express hält dieser Zug direkt an der IGA in Lütten Klein.

Neu, das heisst wieder aufgelegt, wird die direkte Verbindung von Berlin nach Swinoujscie (Swinemünde) an der polnischen Ostseeküste an Sommerwochenenden. Das Schöne-Wochenend-Ticket soll dabei laut Kursbuchangaben bis zum Endbahnhof gelten, man erspart sich also den teueren Grenztarif. Der Zug kommt bereits von Potsdam und fährt über die Stadtbahn. An den Tagen an denen dieser Zug nicht verkehrt, verkehrt wie bisher ein direkter Zug Berlin - Szczecin (Stettin). Er beginnt nicht mehr in Lichtenberg, sondern verkehrt ebenfalls ab Potsdam über die Stadtbahn. Bei allen weiteren Verbindungen nach Szczecin muss nach wie vor in Angermünde umgestiegen werden. Abgesehen vom Stundentakt nach Kostrzyn (Küstrin) bleibt das Angebot nach Polen ein schlechter Witz, mit drei Regionalzugpaaren Frankfurt - Rzepin (Reppen) und zwei Paaren Forst-Tuplice. der Übergang Guben/Gubin ist „dank" der Einstellung der Strecke auf polnischer Seite nun ohne Personenverkehr.

Fazit

Dieses Jahr ist der Fahrplanwechsel im Regionalverkehr Berlin/Brandenburg eher unspektakulär. Erfreulich sind Bemühungen hin zu einem integralen Taktverkehr, der nach Bekundungen der DB Regio Berlin-Brandenburg vor einigen Jahren angeblich im Lande Brandenburg - anders als anderswo in Deutschland - nicht funktionieren könne. Dennoch bleibt im Regionalverkehr noch viel zu verbessern.

IGEB S-Bahn und Regionalverkehr

aus SIGNAL 6/2002 (Januar 2003), Seite 25-27

 

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