Niedersachsen:

Nervenkitzel Busfahren

Eine persönlicher Erlebnis-Bericht des Fahrgast-Rats Wendland...

Im Bus von Lüchow nach Uelzen, wo der Metronom nach Hamburg erreicht werden soll. Kein einfaches Unterfangen, denn der Bus wird nur eine Minute vor Abfahrt des Zuges den Bahnhof erreichen. Dabei darf der Fahrgast darüber sogar noch froh sein: Denn die meisten Busse der Linie 1948 von Lüchow nach Uelzen verpassen den Anschluss nach Hamburg knapp um wenige Minuten oder kommen zeitgleich an.

Vorsichtige Anfrage an die Busfahrerin, ob es möglich ist, auf dem letzten Stück etwas flotter zu fahren. Wenn ich den Zug verpasse, muss ich eine Stunde warten. Die Busfahrerin zuckt mit den Achseln, dass könne sie nicht überblicken. So sitze ich leicht verkrampft in meinem Sitz und bei jedem Halt an einer Ampel, rennt mir ein nervöser Schauer über den Rücken. Und, oh je, dieser ältere Mann sucht beim Fahrkartenkauf ewig lang das passende Geld in seinem Portmonee – jeder zusätzliche Aufenthalt wird zur Geduldsprobe. Und der Bus quält sich langsam durch den schleppenden Verkehr in Uelzen.

Ich bin inzwischen durchgeschwitzt und schaue ständig auf die unerbittlich voranschreitenden Zeiger meiner Uhr. Als wir endlich am Bahnhof mit nur 30 Sekunden Verspätung ankommen, hechte ich aus dem Bus und lege einen dramatischen Endspurt zum Gleis hin. Den Fahrkartenverkauf muss ich selbstredend in den Zug verlegen, dort allerdings mit Aufschlag. Völlig aus der Puste am Gleis angekommen, sehe ich – welch Glück: Der Metronom hat 10 Minuten Verspätung. Nun heißt es ruhig durchatmen und zurück zur Ruhe finden.

Solche Abenteuer können Fahrgäste des Landkreises Lüchow-Dannenbergs nicht nur am Bahnhof Uelzen erleben: Wer beispielsweise in Dannenberg mit der Wendlandbahn ankommt, der verpasst viele der dort fahrenden Busse (z. B. nach Lüchow oder Zernien und Uelzen), denn die fahren zeitgleich oder wenige Minuten vor Ankunft des Zuges ab. In Salzwedel kommt der morgendliche Bus zeitgleich zur Abfahrt des Zuges nach Stendal an – auch hier wird dem Kunden also keine Mobilitätskette geboten. Dabei nutzt ein großer Teil der Fahrgäste den Bus vor allem, um die Bahn zu erreichen bzw. um vom Bahnhof aus weiter zu kommen.

Andere Regionen zeigen, dass es besser geht: Gut aufeinander abgestimmte Fahrpläne der verschiedenen Verkehrsträger mit optimalen Umsteigezeiten von 5 bis 10 Minuten. Es wird Zeit, dass die Busgesellschaften sich bewegen und den Fahrgästen Stress, Nervenkitzel und lange Wartezeiten ersparen. Der Fahrgast-Rat Wendland setzt sich dafür ein.

Kontakt:
www.fahrgastrat.de

Fahrgast-Rat Wendland

aus SIGNAL 6/2007 (Dezember 2007/Januar 2008), Seite 21

 

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