 |
 |
| Ein Zug des vom Land bestellten „Freizeitverkehrs“ auf der Ablachtalbahn hält am im Mai wiedereröffneten Bahnsteig in Göggingen. Foto: Martin Schiefelbusch |
|
Über diese und ähnliche Fragen wird immer
wieder diskutiert, besonders wenn es
um Stilllegung, Erhalt und Reaktivierung
von Bahnlinien geht. Wie unterschiedlich
die Antworten ausfallen können, zeigt die
Reaktivierung der Ablachtalbahn in Baden-
Württemberg (auch unter „Biberbahn“ bekannt),
deren aktuellen Stand wir uns daher
etwas näher ansehen.
Vom trinationalen Projekt zur regionalen Bahn
Die Ablachtalbahn verläuft im südöstlichen
Teil Baden-Württembergs und verbindet
auf ca. 57 km Radolfzell mit Mengen. Ihre
Geschichte beginnt als internationales Projekt,
denn die durchfahrenen Länder Baden,
Württemberg und Preußen waren zu
Beginn der Planungen noch selbständig.
Eröffnet wurde sie dann 1873, damals als
Teil einer großräumigen Verbindung von
München und Ulm nach Schaffhausen und
weiter in die Schweiz geplant. Die Hoffnungen
auf Fernverkehr über die Route erfüllten
sich jedoch nicht, allerdings gab es immer
wieder überregionale Güterzüge. Entscheidend
war daher stets der lokale Verkehr in
der eher ländlichen Region. Wie in vielen
ähnlichen Fällen wurde der Personenverkehr
zwischen 1954 und 1982 in Etappen
aufgegeben, der Güterverkehr aber bis auf
kurze Unterbrechungen beibehalten. Auf
dem Südabschnitt (Radolfzell—) Stahringen—
Stockach wurde bereits 1996 der Personenverkehr
wieder aufgenommen und
schnell zu einem frühen Erfolgsbeispiel einer
Wiederinbetriebnahme nach modernen
Standards. Derzeit wird dieser Teil montags
bis freitags tagsüber halbstündlich, sonst
stündlich bedient und hier täglich etwa
3500 Fahrgäste befördert.
 |
| Biberbahn am Bodensee.Die Gesamtstrecke der Ablachtalbahn ab Radolfzell ist 57 km lang; die aktuellen Reaktivierungspläne beziehen sich auf den nördlichen Teil Stockach—Mengen (39,5 km). Karte: Förderverein Ablachtalbahn e. V.; Ergänzung: IGEB |
|
Im Nordteil der Strecke ging es dagegen
lange Zeit eher darum, die komplette Stilllegung
zu verhindern, was dank der Bedeutung
für den Güterverkehr auch gelang:
Durch den Inhaber der Firma Tegometall,
metallverarbeitender Betrieb und Hauptfrachtkunde,
der bereits 1986 den Wiederaufbau
des nördlichen Teils veranlasst hatte,
wurde die Strecke 2004 von der DB AG verkauft
und damit die von ihr vorangetriebene
Stilllegung abgewendet. Damit war die Infrastruktur
gesichert, aber keine weitergehende
Perspektive verbunden, auch wenn
sich erste Initiativen für eine Wiederbelebung
zu interessieren begannen.
Dies änderte sich erst, nachdem die Anliegergemeinden
Meßkirch und Sauldorf
am 1. März 2021 die Strecke vom privaten
Eigentümer übernommen hatten. Das Land
war bereit, die Revitalisierung der Strecke
zu unterstützen und bestellte einen „Freizeitverkehr“,
wie er in ähnlicher Form auch
auf anderen Strecken gefahren wird. Seit
August 2021 verkehren an Sonn- und Feiertagen
drei Zugpaare—jeweils von Anfang
Mai bis Mitte Oktober. In der Saison 2024
wurden etwa 5900 Fahrgäste befördert, in
diesem Jahr dagegen in den Regelzügen
etwa 7200 (etwa 40 pro Zugfahrt) sowie fast
1700 Fahrräder. Weitere etwa 2800 Kunden
kamen bei verschiedenen Sonderfahrten
zur Fasnacht, verschiedenen Festen und in
der Vorweihnachtszeit auf die Strecke. Auch
im Güterverkehr hat sich
[...]
|
Dieser Artikel ist im Internet nicht komplett verfügbar. Sie finden ihn aber im aktuellen SIGNAL,
erhältlich in vielen Zeitschriftenläden und Bahnhofsbuchhandlungen.
|
Oder Sie bestellen sich das SIGNAL immer aktuell nach Hause für unschlagbare 25,50 EUR im Jahr:
>> weiter
|
Martin Schiefelbusch
|