Vorsicht, SatireVorsicht Satire!

Aus der Anstalt

Die Landesanstalt (AöR) ist im Wesentlichen für die Durchführung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in der Hauptstadt zuständig. Peter Wille (54) und Ulricke Jokiel (42) arbeiten seit 15 Jahren in der extra für sie geschaffenen und häufig umbenannten Abteilung für fahrgastfeindliches Verhalten (FFV-4). Beide essen gern Schokolade.

Dienstag Vormittag: „Da kommen wir wohl diesmal nicht drum herum!“ meint Peter und deutet auf die Bauplanungen zur Pappelallee für die Straßenbahnlinie 12. „Stimmt,“ antwortet Ulricke, „durch diese verdammte Bauweiche an der Eberswalder Straße fahren die Züge im Südabschnitt jetzt bis an die Baustelle heran. Schrecklich! Aber vielleicht können wir ja an der anderen Strecke noch was drehen.“ Der Ersatzverkehr mit den vielen Schleifenfahrten durch enge Wohngebiete und staugefährdete Hauptstraßen habe sich ja bewährt, bestätigen sich beide, doch es fehle noch das „gewisse Etwas“, wie Ulricke immer zu sagen pflegt.

„Die Streckenführung ist perfekt, nach spätestens zwei Tagen fährt da kein Mensch mehr mit!“ lobt sich Peter. „Und durch den Zwang des zweimaligen Umsteigens ist es so unattraktiv wie möglich“ bestätigt ihn seine Kollegin, jedoch bestehe noch Optimierungsbedarf. „Mir schwebt da ein optimierter Fahrplan vor. Wir sehen fahrplanmäßig einen Übergang von drei Minuten jeweils vom und zum Ersatzverkehr vor. Gemeinsam mit der stauanfälligen Streckenführung klappt der dann fast nie!“

„Genial!“ pflichtet ihr Peter bei, „Damit können wir auf der kurzen Strecke zusätzlich eine Wartezeit von insgesamt 30 bis 40 Minuten je Fahrt generieren! Du bist die Königin der Sichtanschlüsse!“, freut er sich. Ulricke fügt schließlich noch hinzu: „Wenn man bedenkt, dass mit einer einfachen Umleitung der Straßenbahn von Norden über Prenzlauer Allee und Danziger Straße zum U-Bahnhof Eberswalder Straße die beiden Abschnitte direkt ohne SEV miteinander verbunden wären … Gut, dass wir das noch verhindern konnten!“ Beide freuen sich über die vollbrachte Arbeit und belohnen sich mit einem Stück Joghurt-Schokolade.

IGEB Stadtverkehr

aus SIGNAL 2/2010 (Mai 2010), Seite 13

 

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