Nahverkehr

Fahrplan nur noch jährlich

Beantwortung der Kleinen Anfrage des Abgeordneten Michael Cramer (Bündnis 90/Grüne) über Fahrgastinformationen

1. Ist es richtig, daß BVG/BVB und DR beabsichtigen, zukünftig nur noch einmal im Jahr ein Fahrplanheft herauszugeben?

Die Herausgabe eines einheitlichen Kursbuches für die Region Berlin beruht auf einem gemeinsamen Beschluß der beteiligten Verkehrsträger BVG, BVB, DR und ViP. Da wurde dem dringenden Wunsch der Fahrgäste entprochen, in Anbetracht der wachsenden Mobilitätsbedürfnisse in der Region nicht mehr auf vier verschiedene Fahrplanbücher zurückgreifen zu müssen. Der zeitliche Herstellungsaufwand und die Höhe der Kosten waren für die Verkehrsträger Veranlassung, sich einvernehmhch auf nur eine Auflage pro Jahr zu verständigen.

2. Auf welchen S-Bahn-, U-Bahn- und Buslinien sind die Angaben des derzeit gülltigien BVG-Fahrplanheftes Winter 90/91 im Mai 1991 noch vollständig zutreffend, auf welchen nicht?

Gegenüber dem BVG-Fahrplanbuch Winter 1990/91 ergaben sich bis Mai 1991 folgende Abweichungen bei den einzelnen Betriebszweigen:

  • U-Bahn: Keine Veränderungen.
  • S-Bahn: S1/2 Fahrplanänderung wegen Sanierungsarbeiten im Nord-Süd-Tunnel, S3 Verlängenıng bis Strausberg durch Einsatz einer 4.Zuggruppe.
  • Omnibus (einschl. Nachtlinien): Fahrplanänderungen auf 50 Linien, unverändert 77 Linien.

3. Auf welchen S-Bahn-, U-Bahn- und Buslinien sind die Angaben der BVG-Fahrplaneftes: vom Sommer 1990 im Mai 1991 noch vollständig zutreffend, auf welchen nicht?

Gegenüber dem BVG-Fahrplanbuch Sommer 1990 ergaben sich bis Oktober 1990 [Anm. der Red: gefragt war bis Mai 1991] folgende Abweichungen bei den einzelnen Betriebszweigen:

  • U-Bahn: U1 Fahrplanänderung nach Abschluß der Brückenbauarbeiıen, U6/8 Fahrzeitverlängerungen durch Bahnhofseröffnungen, U1/6/7/8/9 Taktverdichtungen im Einkaufsverkehr an Sonnabenden.
  • S-Bahn: S1/2 Veränderte Linienführung durch Bauarbeiten Priesterweg/Marienfelde, S2 10-Minuten-Takt bis Lichtenrade, S3 Verlängerung bis Erkner/Königs Wusterhausen und Flughafen Schönefeld.
  • Omnibus (einschl. Nachtlinien): Fahrplanänderungen auf 67 Linien; unverändert 58 Linien. Alle vorgenannten Abweichungen wurden im BVG-Fahrplanbuch Winter 1990/91 berücksichtigt.

Fahrplanabweichungen im Oberflächenbetrieb sind überwiegend zurückzuführen auf

  • Umleitungen durch Baumaßnahmen,
  • Anpassung an veränderte Nachfrage (...)

Aufgrund des zeitlichen Vorlaufs für den Druck der Fahrplanbücher konnten derartige Veränderungen auch in der Vergangenheit nicht in den Fahrplanbüchern berücksichtigt werden. Zusätzlich ist ab 1990 zu berücksichtigen, daß

  • die Aufhebung der Freifahrtberechtigung für Bewohner der ehem. DDR zum 1.1.1990 auf allen in der Nähe der früheren Sektoren- bzw. Landesgrenze verkehrenden Linien zu erheblichen Veränderungen im Fahrgastaufkommen gegenüber Nov/Dez 1989 geführt hat,
  • die Währungsunion ab 1.7.90 auf zahlreichen Omnibuslinien Anpassungen des Fahrplangefüges aufgrund der zunehmenden Zahl an Berufspendlern erforderlich gemacht hat,
  • der aus den östlichen Bezirken der Stadt einfließende starke Individualverkehr auf einer Reihe von Linien erhebliche Probleme bei der Einhaltung der Fahrzeiten verursachte und Fahrplananpassungen erzwungen hat,
  • auch nach der Vereinigung am 3.10.90, vermutlich bedingt durch die Wirtschaftslage, weiterhin veränderte Fahrgewohnheiten und erhöhtes Fahrgastaufkommen aut' zahlreichen Linien zu beobachten ist.
Hinzu kam die Notwendigkeit, flexibel auf Fahrplanveränderungen der S-Bahn und der U-Bahn (Streckenverlängerungen, Bahnhofswiedereröffnungen) zu reagieren.

4. Hält der Senat den regelmäßig in den BVG-Sonderinformationen bzw. BVG-Aktuell abgedruckten Satz "die genauen Eintreffzeiten entnehmen Sie bitte den Haltestellenaushängen” für eine ausreichende Fahrgastinformaion?

Der Hinweis, die veränderten Fahrplanzeiten den Haltestellenaushängen zu entnehmen, erfolgt, wenn lediglich geringfügige Fahrlanänderungen vorliegen, z.B. Abfahrt 2 Minuten später. Bei umfangreicheren Fahrplanänderungen werden in der Fahrgastinformation die gesamten Fahrpläne abgedruckt. Es spricht nichts dafür, dieses Verfahren zu ändern.

5. Hält der Senat es im Interesse der Fahrgastinformationen für geboten, darauf hinzuwirken, daß die halbjährigen Erscheinungsweise der BVG/BVB und DR-Fahrplanhefte beibehalten wird und falls nein, warum nicht?

Die Zeitspanne zwischen Beginn der Arbeiten für einen neuen Fahrplan und seiner Publizierung in Form des Kursbuches beträgt mehrere Monate. Veränderungen, die sich während dieser Vorlaufzeit ergeben, können in der Regel kaum berücksichtigt werden, ohne den Termin der Drucklegung und damit des Fahrplanwechsels zu verzögern. Ein über die gesamte Fahrplanperiode gleichbleibender Fahrplan, welcher zudem mit dem aktuellen Kursbuch übereinstimmt, wird daher erst möglich sein, wenn eine länger anhaltende Phase ohne größere Verkehrsnetz-Änderungen eintritt.

Aus heutiger Sicht sind konkrete Termine für die einzelner Baumaßnahmen, vor allem im Bahnbetrieb, nicht festzulegen. Diese Unwägbarkeiten haben unmittelbare und umfangreiche Auswirkungen auf die Fahrplangestaltung im Oberflächenbereich. Daher würde auch eine halbjährliche Erscheinungsweise des Kursbuches keine Gewähr dafür bieten, daß auch tatsächlich ein höherer Grad an Aktualität erreicht wird. Die Verkehrstrager beabsichtigen deshalb nicht, zur halbjährigen Erscheinungsweise des Kursbuches zurückzukehren.
(Landespressedíenst, 7.8.1991)

Senator für Verkehr und Betriebe

aus SIGNAL 7/1991 (September 1991), Seite 9-10

 

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