Aktuell

Sparpolitik in den Ferien
Beispiel: die BVG-Buslinien 144,146,174 und 383

Auch in diesem Jahr gab es während der großen Ferien wieder Verminderungen im Busangebot.

Obwohl zum Beispiel der Ausfall von Einsetzern im Schülerverkehr nicht grundsätzlich in Frage gestellt werden soll, geben darüber hinausgehende Angebotseinschränkungen, Anlaß zur Kritik. So wurde die Bedienung der Buslinie 146 (Zoo <-> Britz, Buschkrug) während der Ferien drastisch eingeschränkt (es wurden sogar Eindecker statt der sonst üblichen Doppeldecker gesehen!). Zwar fuhr der 146er am Wochenende weiterhin alle 10 Minuten. Montags bis freitags tagsüber wurde das Angebot jedoch vom 10- auf einen 15-Minuten-Takt zusammengestrichen.

Bus
Bereits seit 30. Mai 1999 fährt die Linie 144 E montags bis freitags vormittags statt vom S- und U-Bahnhof Hermannstraße nach Buckow-Süd, Stuthirtenweg nur noch bis Gradestraße. Zu den betreffenden Zeiten beträgt die Linienlänge des 144 E etwa zwei Kilometer, die Fahrzeit bis Gradestraße sechs Minuten - eingesetzt werden Doppeldeck-Busse. Daß die Strategen der BVG demnächst entdecken werden, daß die Nutzung dieser Kurzstrecken-Doppeldecker sich wegen unzureichender Besetzung nicht rechnet, liegt auf der Hand - ihr Wegfall scheint vorprogrammiert zu sein. Während die BVG bis zur Gradestraße noch genau vier Haltestellen alle fünf Minuten bedient, wurde das Angebot für die folgenden dreizehn Stationen bis Buckow-Süd halbiert: Hier kommt der 144er nur noch alle zehn Minuten. IGEB-Vorschlag: Bedienung der Stammlinie 144 alle acht bis zwölf Minuten, Reduzierung der Linie 144 B auf einen 20-Minuten-Takt - dafür die Verlängerung der Einsetzfahrten bis Schlosserweg. Daß die Bedienung dieser Einsetzlinie tatsächlich erfolgt, setzen wir voraus. Im ab 20. Juli 2000 gültigen Ferienfahrplan wurden die Fahrten der Linie 144 E zwar bis Schlosserweg geführt; die nur noch viertelstündliche Bedienung der Stammlinie 144 war jedoch inakzeptabel. Foto: Alexander Frenzel, September 2000

Als die Buslinie 246 (Ringlinie vom Sund U-Bahnhof Tempelhof über Oberlandstraße) mit dem Fahrplanwechsel zum 30. Mai 1999 entfiel, verwies die BVG noch auf die Buslinien 146 und 170, die das gesamte Bedienungsgebiet der Linie 246 im attraktiven 10-Minuten-Takt hervorragend erschließen würden (sinngemäß zitiert nach BVG Plus, Ausgabe Mai 1999). Knapp vierzehn Monate später war diese Aussage nicht mehr das Papier wert, auf der sie verbreitet wurde. Wer bisher glaubte, daß durch das „Wegsparen" einer Linie in einem bestimmten Gebiet wenigstens das dann noch verbleibende Restangebot vor weiteren Einsparungen „geschützt" ist, liegt falsch.

Wem dieses Beispiel nicht gefällt, dem können wir auch ein anderes anbieten: Trotz ersatzlosem Wegfall der (alten) Linie 204 im Abschnitt vom S-Bahnhof Charlottenburg bis zum Rathaus Schöneberg zum 24. Mai 1998 wurde kurz darauf auch der Fahrabstand der sich als Ersatz anbietenden Linie 104 an den Wochenend-Tagen auf zwanzig Minuten vermindert.

Auf den Buslinien 174 (U-Bahnhof Friedrich-Wilhelm-Platz <-> U-Bahnhof Britz Süd) und 383 (U-Bahnhof Breitenbachplatz <-> Mariendorf, Dardanellenweg) feierte der 12-Minuten-Takt seine Wiederauferstehung. Diese beiden Linien wurden montags bis freitags im Tagesbetrieb nur noch alle zwölf Minuten bedient (sonst alle zehn Minuten; Linie 174 am Vormittag jedoch nur alle 15 Minuten).

Abgesehen von der dadurch erschwerten Merkbarkeit des Fahrplans werden für Umsteiger wegen der in Berlin ansonsten üblichen 10- und 20-Minuten-Takte Anschlüsse - und damit die Gesamtfahrzeiten - im wörtlichen Sinne unberechenbar.

Solange zum Beispiel der Grundtakt bei der S-Bahn 20 Minuten und bei der U-Bahn zehn Minuten beträgt, sollte sich ein 12-Minutentakt beim Bus eigentlich von selbst verbieten.

Übrigens spricht die Tatsache, daß die Linie 174, die seit immerhin fünfzehn Jahren wieder verkehrende S-Bahn-Linie 1 zwischen den Stationen Feuerbachstraße und Friedenau auf der Friedenauer Brücke schlicht „überfährt", nicht für den 12-Minuten-Takt, sondern gegen die Linienführung dieser Buslinie.

IGEB, Abteilung Stadtverkehr

aus SIGNAL 7/2000 (September/Oktober 2000), Seite 5

 

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