Hessen

Regio-Citadis im Planverkehr der Kasseler Regiotram

Insgesamt acht Zweisystem-Stadtbahnwagen vom Typ Regio-Citadis kamen am 8. Mai 2005 in den Planbetrieb. Sie übernahmen den Regiotram-Vorlauf betrieb zwischen Kassel Hbf und Warburg von den aus Saarbrücken ausgeliehenen Fahrzeugen der Saarbahn. Die Saarbahn drängte auf die baldige Rückgabe der Fahrzeuge, da das dortige System ebenfalls vor Erweiterungen steht.

Zuvor war der Regio-Citadis aus dem Hause Aistom rund zehn Monate ausgiebig in und um Kassel getestet worden. Das war nötig, da es sich um eine völlige Neuentwicklung handelt und überdies um die ersten Zweisystem-Stadtbahnfahrzeuge des Herstellers überhaupt. Die Fahrzeuge bestechen durch ein außergewöhnliches Design, enthalten aberauch bewährte Konstruktionsmerkmale wie den türlosen Mittelteil, der ruhiges „Eisenbahnfahren" auf den Überlandabschnitten ermöglichen soll. Die Fahrzeuge tragen Taufnamen, die an Figuren aus den Märchen der Gebrüder Grimm erinnern.

„U-Bahn" stillgelegt

Wie gewohnt nutzte der Nordhessische Verkehrsverbund (NW) den ersten Betriebstag der neuen Wagen, um ausgiebig Werbung für sich und sein Regiotram-Projekt zu machen. Der NW sowie die betriebsführende Regionalbahn Kassel (RBK) betreiben eine hervorragende Öffentlichkeitsarbeit und halten so das Interesse an dem mit immer neuen Schwierigkeiten kämpfenden Aufbau des Regiotram-Netzes wach. Weitere Bausteine bei der Realisierung waren in den vergangenen Monaten die Eröffnung der kurzen Neubaustrecke Rudolf-Schwander-Straße, die erst eine sinnvolle Verknüpfung der Regiotram mit dem Kasseler Stadtnetz ermöglicht, sowie - damit verbunden - die Stillegung der einzigen Kasseler „U-Bahn-Station" am Hauptbahnhof. Die 1968 eröffnete Station diente von Anbeginn einzig dazu, den weitläufigen Bahnhofsvorplatz gänzlich dem Autoverkehr zu öffnen und war zuletzt nur noch trauriges Relikt einer verfehlten Verkehrspolitik.

Erweiterung nach Hessisch-Lichtenau

Auch am östlichen Ende des Regiotram-Netzes geht es voran: In Hessisch Lichtenau ist mittlerweile der Innenstadt-Abschnitt im Bau. Um diesen war heftig gestritten worden, da der vorgesehenen Wendeschleife einige Bäume weichen müssen.

Eines der nächsten Etappenziele wird die Inbetriebnahme der Diesel-Hybridfahrzeuge für die Wolfhagener Strecke sein. Allerdings handelt es sich nicht - wie vom NW leider fälschlich verkündet - um eine „Weltneuheit" Im nur gut 120 Schienenkilometer von Kassel entfernten Nordhausen fahren bereits seit zwei Jahren Diesel-Hybridfahrzeuge von Siemens im Planbetrieb. In Nordhessen sollen solche Fahrzeuge vom Typ Regio-Citadis ab Ende 2005 einen weiteren Regiotram-Vorlaufbetrieb auf der Strecke der Kurhessenbahn aufnehmen.

Insgesamt werden nach Abschluß der Lieferung 10 Diesel-Hybridfahrzeuge und 18 Elektro-Hybridfahrzeuge zur Verfügung stehen. Unklar ist derzeit noch, ob auch Richtung Melsungen ein Vorlaufbetrieb aufgenommen wird. Mit der Anbindung der Vorlaufstrecken an das Kasseler Stadtnetz ist nach offiziellen Darstellungen Ende 2006 zu rechnen. Realistischer dürfte ein Start im Laufe des Jahres 2007 sein, denn mit dem Bau der Verbindungsstrecke unter dem Hauptbahnhof hindurch wird erst in den kommenden Wochen begonnen.

Surftipp

www.tram-kassel.de enthält stets aktuelle und fundierte Nachrichten aus dem Kasseler Verkehrswesen und gibt auch einen sehr guten Überblick über den Aufbau der Regiotram. Die Seite wird von Dr. Heribert Menzel betrieben. (fl)

Pro Bahn & Bus Hessen

aus SIGNAL 3/2005 (Juni/Juli 2005), Seite 24-25

 

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