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Zum Lesen und Nachschlagen

Mehr als 300 Seiten über Berlins U-Bahnhöfe

Kennen Sie Berlin? Ja? Kennen Sie die U-Bahn-Station "Parks Range"? Kennen Sie nicht? Diese Lücke kann jetzt geschlossen werden. Unter dem Titel "Berlins U-Bahnhöfe - Die ersten Hundert Jahre" überraschte der noch ziemlich junge be.bra-Verlag mit einem umfangreichen Band zur Geschichte sämtlicher Berliner U-Bahnhöfe. Diese lesenswerte Fleißarbeit stammt von Jürgen Meyer-Kronthaler. Freunden der Berliner Verkehrsblätter ist er kein Unbekannter. Und wer dort schon seine intelligent wie zurückhaltend ironisch geschriebenen Texte genossen hat, wird nicht umhin kommen, zu diesem Buch zu greifen.

Alle jemals in Betrieb betindlichen U-Bahnhöfe werden unter ihren jeweils aktuellen Namen alphabetisch geordnet vorgestellt. Wenn ein Bahnhof wie die heutige Station Mohrenstraße also vorher schon drei andere Namen hatte, je nach politischer Wetterlage, taucht diese Räumlichkeit auch ebenso oft auf. Eventuelles Nachschlagen wird dadurch erleichtert. Auch Planungsnamen wie Kastanienallee und Kaulsdorf-Nordost finden natürlich Berücksichtigung.

Lesenswert über das reine Interesse an Verkehrsbauten hinaus wird der Band durch Erläuterungen zu den Hintergründen der jeweiligen Namensgebung. Selbst eingefleischte Berlin-Kenner wird überraschen, daß Teile des Oranienburger Tors, es leiht seinen Namen einem Bahnhof der U6, im Brandenburgischen noch existieren. Neben den Stationen, die genutzt werden oder wurden, findet der interessierte Leser Ausführungen über Investruinen und einige Planungen. In der Dresdener Straße und unterhalb des heutigen Bahnsteiges der U2 am Alexanderplatz hielten nie Züge und werden es auch nie tun. Eine besondere Delikatesse ist der oben erwähnte Bahnhof "Parks Range". Hier handelte es sich um einen originalgetreu nachgebildeten Hochbahnhof in Dammlage auf einem Truppenübungsplatz der US-Army in Lichterfelde. In einer Geisterstadt, zu der dieser Bahnhof gehörte, wurde Häuser- und Nahkampf geübt. Kurz vor Abzug der Alliierten konnten die Mitarbeiter der Berliner Verkehrsblätter dieses Objekt in Augenschein nehmen.

Auch die Bahnhöfe der äußerst umstrittenen Verlängerung der U5 haben in dem Band als Planung Aufnahme gefunden. Ergänzt wird dieser Ausflug in das Reich der Visionen durch imaginäre Stationen wie Weißensee und "Fritz-Schloß-Park". Nicht vergessen wurden die nur kurze Zeit präsenten Bahnhöfe des Experimentes Magnetbahn, die schon wieder der Vergangenheit angehören.

Der umfangreiche Band kann allen am Berliner Verkehrswesen und auch an stadtgeschichtlichen Hintergründen Interessierten wärmstens empfohlen werden.

Jürgen Meyer-Kronthaler: Berlins U-Bahnhöfe - Die ersten hundert Jahre. Berlin 1995. 360 S/W-Abbildungen, 58 DM.

Ivo Köhler

aus SIGNAL 1/1996 (Februar 1996), Seite 9

 

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