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Datenleck bei der VBB-fahrCard?

Leserbrief zum Artikel „Datenleck bei der VBB-Fahrcard“ in SIGNAL 6/2015

In SIGNAL-Heft 6/2015 wurde kritisch über die VBB-fahrCard berichtet. In einem Praxistest verteilte der Autor Minus- und Pluspunkte, und in einem weiteren Artikel berichtete der Autor über ein vermeintliches Datenleck und forderte Aufklärung vom VBB. Das wollen wir hiermit gern tun.

Was ist die VBB-fahrCard?

Die VBB-fahrCard ist eine Chipkarte im Scheckkartenformat, die alle Abo-Kunden in Berlin und Brandenburg anstelle der bisherigen Kundenkarte und der monatlichen Papierwertabschnitte bereits bekommen haben oder noch bekommen werden. Der bisherige Papierfahrausweis wird also durch ein modernes, elektronisches Ticket ersetzt.

Warum wird die VBB-fahrCard eingeführt?

Für die Fahrgäste, aber auch für die Verkehrsunternehmen bringt das elektronische Ticket viele Vorteile. So entfällt der bisherige Wertabschnittswechsel zum Monatsende, ebenso wie das kostenintensive Versenden der Abschnitte. Bei Diebstahl oder Verlust wird die Karte sofort gesperrt und eine Ersatzkarte kurzfristig bereitgestellt. Das elektronische Ticket bietet deutlich mehr Fälschungssicherheit, und weil sie als Kunststoffkarte langlebiger und robuster ist als der Papierfahrausweis, gilt sie bis zu vier Jahre.

Das eTicket soll aber künftig auch mehr als „nur“ Fahrausweis sein und multimodale Angebote ermöglichen, wie zum Beispiel Zugang zu Fahrradparkhäusern, zu Bike- und CarSharing oder E-Ladesäulen.

Was wird auf dem Chip gespeichert?

Auf der VBB-fahrCard werden Daten gespeichert, die bisher auch auf dem Papierticket oder der Kundenkarte enthalten waren. Bei unpersönlichen Abonnements werden das Tarifprodukt, der tarifliche Geltungsbereich, die Gültigkeit und die Kartennummer gespeichert. Bei persönlichen Abonnements werden der Name und ggf. das Geburtsdatum im Chip gespeichert, auf die Karte werden der Name und ein Lichtbild gedruckt.

Zudem wurde gemäß des deutschlandweiten Standards für eTickets die Möglichkeit vorgehalten, Datensätze in einem sogenannten Logbuch einzutragen. Diese Funktion auf den Chipkarten ist eine Servicefunktion im Sinne des Verbraucherschutzes, denn sie gibt dem Fahrgast eine Übersicht über die letzten zehn Transaktionen, die mit der Chipkarte getätigt wurden. Je nach Ausbaustufe des lokalen eTicket Deutschland Systems können diese zum Beispiel reine Kontrolleinträge sein oder tatsächliche Ticketkäufe und damit ein digitaler Kundenbeleg für Reklamationen. Als Kontrolleinträge sind diese vergleichbar mit dem Stempel der Fahrkartenentwerter bei Papiertickets.

Im Sinne des Verbraucherschutzes hat man sich bei der Entwicklung von eTicket Deutschland mit der Konferenz der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder abgestimmt und diese Servicefunktion eingerichtet. Sie ist derzeit aber nicht Gegenstand des eTicket-Systems im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg.

Gibt oder gab es ein Datenleck bei der VBB-fahrCard?

Ein sogenanntes „Datenleck“ – insbesondere ein regelwidriges und unkontrolliertes Abfließen von Daten – gibt und gab es nicht. Es gab aber ein unbeabsichtigtes Ablegen von Kontrolleinträgen im Logbuch zu Tag, Uhrzeit und Haltestellen-Code. Im Testbetrieb der Lesegeräte in Bussen der BVG AöR und der Barnimer Busgesellschaft mbH (BBG) sowie in Bussen der Oberhavel Verkehrsgesellschaft mbH (OVG) wurden bei der Einstiegskontrolle an den fest installierten Geräten Datensätze auf die VBB-fahrCard geschrieben.

Deshalb wurden umgehend die Lesegeräte zeitweise außer Betrieb genommen und die Software in den Lesegeräten der Oberhavel Verkehrsgesellschaft mbH korrigiert. Der Testbetrieb der Lesegeräte der BVG und BBG wird nach Aktualisierung der Software wieder aufgenommen. Es werden danach keine Daten mehr ins Logbuch eingetragen.

Löschen gespeicherter Daten

Wie viele VBB-fahrCard-Inhaber von unbeabsichtigt gespeicherten Daten betroffen sind, ist uns nicht bekannt, da die Systeme der Verkehrsunternehmen diesbezüglich keine Daten erheben. Wer prüfen möchte, ob im Transaktionslogbuch der eigenen VBB-fahrCard Einträge gespeichert wurden, kann dies an ausgewählten Kundenterminals in BVG-Kundenzentren (nur BVG-Kunden) und S-Bahn-Verkaufsstellen (nur S-Bahn-Kunden) sowie im VBB-Infocenter (Kunden aller anderen Verkehrsunternehmen) am Hardenbergplatz 2 in Berlin tun. Sofern gewünscht, werden gespeicherte Transaktionsdaten sofort an den jeweiligen Terminals gelöscht.

VBB bedauert Systemfehler

Die Eintragung in das digitale Logbuch der VBB-fahrCard war weder autorisiert noch gewollt. Dass es durch einen Softwarefehler des Geräteherstellers trotzdem dazu kam, ist zu Recht kritisierbar. Der VBB bedauert das unbeabsichtigte Schreiben von Einträgen auf der Chipkarte des Kunden. Durch umfassende Information, größtmögliche Transparenz und der Korrektur des versehentlich aufgetretenen Fehlers möchten wir das Vertrauen zur neuen Technik und ihren positiven Möglichkeiten wieder herstellen.

Wenden Sie sich bei weiteren Fragen oder auch mit Kritikpunkten zur VBB-fahrCard oder zu anderen Themen rund um den Öffentlichen Nahverkehr in Berlin und Brandenburg gern an das VBB-Team.

Susanne Henckel Geschäftsführerin der VBB Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg GmbH

aus SIGNAL 1/2016 (März 2016), Seite 2

 

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