Sachsen-Anhalt:

Die Halle-Hettstedter Eisenbahn – ein Zugpferd für unsere Region

Die Halle-Hettstedter Eisenbahn (HHE) erschloss seit 1896 die Region zwischen den Städten Halle/Saale und Hettstedt im Mansfelder Land. Einen Streckenast gab es von Gerbstedt bis Friedeburg an der Saale...

Karte
Strecke der Halle-Hettstedter Eisenbahn. Eisenbahn-Verkehrskarte der DDR, 1967. Sammlung Frank Lammers.

Nach dem Preußischen Eisenbahngesetz war sie trotz ihrer Regelspurweite als Kleinbahn eingestuft, in Bezug auf ihre Verkehrsaufgaben, Beförderungsleistungen, Betriebsmittel und ihre räumliche Ausdehnung jedoch nicht als solche zu klassifizieren. Im Jahre 1926 wurden beispielsweise 1 608 000 Reisende befördert. Der Güterverkehr erreichte Dimensionen, die von manchen Nebenbahnen unerreicht blieben.

Infolge der Motorisierung in den 1960er Jahren gingen die Verkehrsleistungen zurück. Ab 1962 erfolgte ein Sterben auf Raten in Form von Teilstreckenstilllegungen, bis die endgültige Betriebseinstellung 2002 erfolgte.

Projekt Wiederbelebung

Ausgangspunkt für unser Projekt „Wiederbelebung der historischen Halle- Hettstedter-Eisenbahn als Bindeglied zur Vernetzung aller kulturlandschaftlichen Elemente zwischen Halle und Hettstedt“ waren Überlegungen, unsere Region als Ganzes bekannter und attraktiver zu gestalten. So wurde der Verein „Freunde der Halle-Hettstedter Eisenbahn“ Ende Februar 2007 gegründet. Mit diesem Projekt wurde ein alle Gemeinden verbindendes Element gefunden, das als Zugpferd für die Region beiträgt und sie ganzheitlich bekannter und attraktiver werden lässt.

Böschung beschneiden
Jeweils am Freitagnachmittag und Sonnabendvormittag treffen sich die Freunde der Halle-Hettstedter Eisenbahn zum Grünschnitt, um die Strecke Halle/Nietleben—Halle/Dölau freizuschneiden. Foto: Uwe Zeug

Durch unsere Mitarbeit bei der Erstellung des Entwicklungskonzeptes für unsere Region im Rahmen der Initiative „Leader“ (Förderinstrument der EU zur Stärkung des ländlichen Raumes) wurde uns das Projekt „Elbe-Elster-Express“ der Deutschen Regionaleisenbahn GmbH (DRE) bekannt. In der Folge gelang es uns, die DRE als künftigen Eisenbahninfrastrukturbetreiber zu gewinnen.

Grundlage unseres Projektes ist die Reaktivierung der noch vorhandenen Eisenbahnabschnitte Halle/ Nietleben—Schochwitz (Saalekreis) und Heiligenthal— Gerbstedt— Hettstedt (Landkreis Mansfeld/Südharz) für Museums- und Traditionsverkehr an Wochenenden und ausgewählten Feiertagen. Für das fehlende Zwischenstück zwischen Schochwitz und Heiligenthal ist ein Schienenersatzverkehr eines an der Strecke liegenden Vereins, der Rottelsdorfer Schlepperfreunde e. V. mit ihren historischen Bussen, vorgesehen.

Ferkeltaxe
Regionalbahn nach Hettstedt im Bahnhof Heiligenthal 1997. Foto: Frank Lammers

Touristische Angebote

Den künftigen Fahrgästen, vornehmlich aus der Metropolregion Halle/Leipzig, möchten wir moderierte Programmangebote anbieten, in deren Rahmen sie unsere Region unter dem Aspekt ihrer kulturlandschaftlichen Besonderheiten und den landschaftlichen Schönheiten in Bezug auf Fahrrad- und Wandertourismus entdecken und erleben können. Kulturelle Potenziale sollen reaktiviert und gefördert werden, auch, um das Identitätsbewusstsein der hier lebenden Menschen zu stärken.

Eine Vision ist es, mit verschiedenen Museums- und Traditionsbahnen auf unterschiedlichen Spurweiten (Halle-Hettstedter- Eisenbahn, Mansfelder Bergwerksbahn, Wipperliese, Selketalbahn, Harzquerbahn, Brockenbahn) als Mehrtagesprogramm von Leipzig/Halle bis zum Brocken zu fahren und so eine Verzahnung der in dieser Region vorhandenen Eisenbahnstrecken zu erreichen.

Gleisanschlüsse reaktivieren

Darüber hinaus ist die Reaktivierung ehemaliger Gleisanschlüsse (bei Benkendorf und Schochwitz) vorgesehen, um perspektivisch Betrieben wieder die Möglichkeit zu geben, Güter über die Schiene zu transportieren. Beim Bau der Autobahn A 143 könnten Baustoffe per Schiene angeliefert werden.

Als erste Synergieeffekte entstanden die Projekte „Museum Waggonfabrik Gottfried Lindner/Waggonbau Ammendorf“ in Zusammenarbeit mit dem Nachfolgeunternehmen MSG GmbH Ammendorf sowie das Projekt „Der Gerbstedter Lokschuppen als multifunktionale Ausbildungs-, Begegnungs- und Wirkungsstätte“. Dieses Projekt wurde in das Integrierte Entwicklungskonzept des Landkreises Mansfeld/Südharz aufgenommen.

Am 29. Oktober 2007 hat die DB AG unserem künftigen Eisenbahninfrastrukturbetreiber, der DRE, einen Nutzungsvertrag zur Verfügung gestellt, der in Vorbereitung der Reaktivierung des ersten Streckenabschnittes Halle-Nietleben—Halle-Dölau die Beräumung dieser Teilstrecke von Bewuchs zum Inhalt hat. Seit dem 17. November führen wir regelmäßig Grünschnittarbeiten durch. Unser Ziel ist es, den ersten Abschnitt Halle-Nietleben—Halle-Dölau 2009 in Betrieb zu nehmen.

Museumszug
Der Vorstand und einige Aktive des gemeinnützigen Vereins „Freunde der Halle-Hettstedter Eisenbahn“. Foto: Olaf Thomsen

Museumszug

Unser künftiger Museumszug soll sich vorwiegend aus Fahrzeugen der Waggonfabrik Gottfried Lindner zusammensetzen. Hier erhalten wir großzügige technische und technologische Unterstützung durch das Nachfolgeunternehmen MSG GmbH Ammendorf (Waggonbau Ammendorf).

Inzwischen wurde ein Netzwerk von Kooperationspartnern geschaffen, zu denen u. a. die IG-Metall (Verwaltungsstelle Halle/ Saale), die Traditionsgemeinschaft BW Halle P e. V., die Pressnitztalbahn GmbH, Ausbildungswerke und die Eisenbahnfreunde Stassfurt e. V. gehören.

Als aktuellstes Ereignis fand am 7. Januar 2008 ein einstündiges Arbeitsgespräch mit dem Minister für Landesentwicklung und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt, Herrn Dr. Karl-Heinz Daehre, im Kloster Helfta bei Eisleben statt. Anwesend waren u. a. Herr Curth (DRE-Geschäftsführer) und weitere Persönlichkeiten. Da momentan die Übergabe der Eisenbahninfrastruktur ins Stocken geraten ist, hat der Minister zugesagt, sich persönlich bei der DB AG dafür einzusetzen, dass die Infrastrukturübergabe an die DRE zeitnah vollzogen werden kann. Weiterhin hat er Interesse bekundet, im Rahmen einer Verzahnung obengenannter Eisenbahnstrecken zwischen Halle und dem Brocken unser Projekt seitens des Landes zu unterstützen. Im Ergebnis könnte sich diese Aneinanderreihung als Marke „Eisernes Band“ (Eisenbahn- und Industriegeschichte) ähnlich dem Pendant in der Architekturgeschichte, der „Straße der Romanik“, landesweit und überregional etablieren.

Freunde der Halle-Hettstedter Eisenbahn e. V.
Buchenring 10, 06120 Lieskau
Tel. (03 45) 551 04 54, Fax (03 45) 683 07 36
info@halle-hettstedter-eisenbahn.de
www.halle-hettstedter-eisenbahn.de

Freunde der Halle-Hettstedter Eisenbahn im DBV

aus SIGNAL 1/2008 (Februar/März 2008), Seite 17-18

 

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