Brandenburg

Bad Saarow Klinikum erhält Bahnanschluss

Streckenreaktivierung mit neuem Haltepunkt geplant

Im Jahr 1911 wurde die 33 km lange Kreisbahn Fürstenwalde—Beeskow in Betrieb genommen. Heute wird nur noch der 12 km lange Abschnitt Fürstenwalde (Spree)—Bad Saarow-Pieskow befahren. Doch rechtzeitig zum 100. Geburtstag dürfte es gelingen, die Strecke um rund 1 km bis Bad Saarow Klinikum zu verlängern.

Die Ausgangslage

Am 6. Oktober 1999 erfolgte die Inbetriebnahme des ersten Bauabschnitts der heute Scharmützelseebahn genannten Strecke zwischen Fürstenwalde (Spree) und Bad Saarow- Pieskow. Neben der Ertüchtigung der Strecke für eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h und der Modernisierung der Sicherungstechnik wurden die Bahnhöfe Fürstenwalde Süd und Bad Saarow-Pieskow komplett neu gebaut. Bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2007 befuhr die DB Regio AG die Strecke, seitdem fährt dort die Ostdeutsche Eisenbahn (ODEG) unter der Linienbezeichnung OE 35. Die Züge verkehren im Stundentakt, am Wochenende ist jeweils der erste und letzte Zug von bzw. bis Berlin-Lichtenberg durchgebunden.

Karte
Lage des geplanten Haltepunktes Bad Saarow Klinikum. Auf dem Klinikgelände (Fläche links neben dem Hp) arbeiten ca. 800 Menschen und gibt es ca. 30 000 Besucher pro Jahr. Bisher endet die Strecke aus Fürstenwalde am Bf Bad Saarow (oben). Karte: Agentur Bahnstadt

Die im Jahr 2006 durch die Bundesregierung beschlossene Kürzung der sogenannten Regionalisierungsmittel hatte gravierende Auswirkungen auf die weiteren Planungen für den zweiten Bauabschnitt der Strecke Richtung Beeskow. Aufgrund der Kürzung der finanziellen Mittel waren Abbestellungen von SPNV-Leistungen unumgänglich.

Somit standen auch die erforderlichen Bestellerentgelte nach dem Ausbau des zweiten Bauabschnitts zwischen Bad Saarow- Pieskow und Beeskow für die Bestellung der Linie RB 35 nicht mehr zur Verfügung. Zudem wurden für den zweiten Bauabschnitt mehrere Millionen Euro für die Modernisierung der Infrastruktur veranschlagt.

Der Abschnitt Bad Saarow-Pieskow— Beeskow wurde seit 1998 zunächst im Schienenersatzverkehr, ab 2006 als reguläre Buslinie bedient. Im Frühjahr 2008 hat der Eisenbahninfrastrukturbetreiber, die DB Netz AG, diesen Abschnitt zur Übernahme durch Dritte ausgeschrieben. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.

Wie weiter?

Es galt Überlegungen anzustellen, inwieweit die Attraktivität des verbliebenen relativ kurzen Abschnitts zwischen Fürstenwalde und Bad Saarow langfristig gesichert und möglichst verbessert werden kann. Deshalb hat der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg eine verkehrliche und betriebliche Vorprüfung durchgeführt, inwieweit eine Verlängerung der Strecke bis Bad Saarow Klinikum sinnvoll erscheint.

Bad Saarow
Bad Saarow
Standort des geplanten Haltepunktes Bad Saarow Klinikum (oben). Unmittelbar hinter dem schmalen Baumstreifen befindet sich der Parkplatz (unten) und 50 Meter weiter erreicht man den Klinikeingang (neben dem Flachbau in der Mitte). Fotos: VBB und Agentur Bahnstadt

Hintergrund der verkehrlichen Bewertung waren vor allem der weitere Ausbau und die Entwicklung des Helios- Klinikums in Bad Saarow zum zentralen Krankenhaus der Region sowie touristische Potenziale für den SPNV.

Die fahrplantechnische Prüfung sollte aufzeigen, inwieweit eine geringfügige Verlängerung der bestehenden Strecke unter Berücksichtigung des Fahrzeugeinsatzes und der Anschlüsse in Fürstenwalde (Spree) von und zur Linie RE 1 in das Fahrplangesamtkonzept integriert werden kann.

Die Voruntersuchung

Für die fahrplantechnische Bewertung einer möglichen Verlängerung der Strecke bis Bad Saarow Klinikum mussten konkrete Annahmen getroffen werden, dazu zählen

  • die Verlängerung der Strecke um ca. 1,1 km,
  • eine Höchstgeschwindigkeit von vorerst 60 km/h,
  • keine Einschränkungen aufgrund von Bahnübergängen,
  • eine Mindestwendezeit am Endbahnhof von 5 Minuten,
  • ein Anschluss von und zur RE 1 in Fürstenwalde (Spree),
  • kein Fahrzeugmehrbedarf,
  • keine zusätzlichen Kreuzungsbahnhöfe wegen eventuell erforderlicher Zugkreuzungen.

Grundsätzlich ist eine Streckenverlängerung bis Bad Saarow Klinikum betrieblich möglich. Die entstehende Fahrzeitverlängerung hat keine Auswirkungen auf die Anschlussgestaltung in Fürstenwalde (Spree).

Neben der fahrplantechnischen Bewertung erfolgte auch eine erste Abschätzung des verkehrlichen Nutzens. In die Bewertung wurden einbezogen:

  • Lage von Schulen und sonstigen öffentlichen Einrichtungen,
  • Erreichbarkeit der Zugangsstellen,
  • Möglichkeiten zu Verknüpfungen mit dem übrigen ÖPNV,
  • Einwohnerpotenziale sowie
  • Fahrgastpotenziale im Zusammenhang mit dem Standort des Helios-Klinikums.

Im Ergebnis wurde festgestellt, dass die neue Zugangsstelle ein SPNV-würdiges Aufkommen erreichen kann. Des Weiteren wurde eine detaillierte Untersuchung der Potenziale und der Wirtschaftlichkeit empfohlen.

Es wird konkret

Die Voruntersuchung des VBB wurde dem Ministerium für Infrastruktur und Raumordnung des Landes Brandenburgs (MIR) für weitere Entscheidungsfindungen übergeben. Nach positiver Bewertung wurde die neue Zugangstelle am Klinikum in Bad Saarow vom MIR in den Landesnahverkehrsplan 2008-2012 aufgenommen. Das Amt Scharmützelsee beauftragte einen Gutachter mit der vom VBB empfohlenen Potenzialanalyse und Wirtschaftlichkeitsuntersuchung. Von der Kommune, dem Landkreis Oder- Spree, der Stadt Fürstenwalde und dem Helios-Klinikum Bad Saarow wird das Projekt intensiv unterstützt. Auch eine Mitfinanzierung zur Umsetzung der Maßnahme ist zugesichert.

Durch die Verlängerung der Bahnlinie 35 um 1,1 Kilometer können der Klinikstandort sowie weitere touristische Potenziale für den SPNV erschlossen werden. Prognostiziert sind ca. 260 Ein-/Aussteiger je Werktag.

Die nächsten Schritte

Nach Vorliegen der positiven Ergebnisse und wegen des Engagements vor Ort, die Linie bis zum Klinikum Bad Saarow verkehren zu lassen, wird das Vorhaben vom Land Brandenburg unterstützt. Mit der Zusage des Landes Brandenburg, Verkehrsleistungen entsprechend zu bestellen, sind die wichtigsten Voraussetzungen erfüllt, das Projekt fortzuführen.

Weitere Voraussetzungen zur Schaffung der entsprechenden Schienen- und Verkehrsanlagen werden in einem Projektarbeitskreis unter Beteiligung der betroffenen Eisenbahninfrastrukturunternehmen, der Kommune, des Landkreises, des Helios-Klinikums und des VBB koordiniert und abgestimmt.

Ausblick

Wie erwähnt läuft derzeit ein Abgabeverfahren der DB Netz AG für den Streckenabschnitt Bad Saarow Pieskow—Beeskow. Sobald das Verfahren abgeschlossen ist, werden mit dem künftigen Betreiber der Strecke Gespräche über den Bau des neuen Haltepunktes aufgenommen.

An dieser Stelle soll noch einmal auf das große Engagement der Region für diesen neuen Haltepunkt verwiesen werden. Das Amt Scharmützelsee, der Landkreis Oder-Spree, die Regionale Planungsgemeinschaft Oderland-Spree, die Stadt Fürstenwalde, das Helios-Klinikum, der Regionalverband Oderland-Spree des DBV und weitere haben sich in den letzten Jahren für diesen Halt sehr stark gemacht. Die Struktur und Arbeitsweise des VBB hilft, Anregungen aus der Region aufzunehmen, fachlich zu bewerten und Entscheidungen vorzubereiten.

Heiko Miels, Carsten Dörnbrack
Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB)

aus SIGNAL 6/2008 (Dezember 2008/Januar 2009), Seite 9-10

 

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