Tarife

Flatrate für Mobilität im Alter - VBB-Seniorenticket für 45 Euro setzt Maßstäbe

Der Weg war lang, aber das Verhandlungsergebnis des VBB kann sich sehen lassen: Für 45 Euro im Monat können Senioren in Berlin und Brandenburger ab dem 1. April 2009 alle Bahnen und Busse im gesamten Verbundgebiet benutzen.

Für die Fahrgäste ab 65 wird die Auseinandersetzung mit unverständlichen Tarifbestimmungen und komplizierten Fahrscheinautomaten bald der Vergangenheit angehören. Sie können sich ab dem 1. April für 45 Euro im Monat den unbeschränkten Zugang zum Bahn- und Busnetz des gesamten Verbundgebietes Berlin und Brandenburg kaufen.

Zum Vergleich: Eine Umweltkarte für das VBB-Gesamtnetz kostet 176,30 Euro, für Berlin 72 Euro und für Potsdam 35 Euro pro Monat. Die Berliner Senioren profitieren also auch dann von dem neuen Angebot, wenn sie sich nur im Stadtgebiet (Tarifzone AB) bewegen.

Der günstige Preis wurde möglich, weil es sich um ein personengebundenes, also nicht übertragbares Ticket handelt, das keine Mitnahmemöglichkeit für weitere Personen oder Fahrräder enthält und nur im Abonnement für 12 Monate oder als Jahreskarte (mit 3 Prozent Rabatt) erworben werden kann. Nicht zuletzt wurde bei der Kalkulation berücksichtigt, dass Senioren in der Regel nicht so häufig fahren wie jüngere Berufstätige.

Natürlich kann man fragen, warum das Angebot nicht auch für Rentner nutzbar ist, die noch nicht 65 Jahre alt sind, und warum 65-jährige, die noch berufstätig sind, dennoch in den Genuss des Seniorentickets kommen. Der Berliner Fahrgastverband IGEB hält diese Ungerechtigkeiten für hinnehmbar, weil die Koppelung an den Rentnerstatus neue Komplikationen und andere Ungerechtigkeiten geschaffen hätte. Der 40-jährige Frührentner wäre dann zum Beispiel besser gestellt als der 70-jährige Handwerker, der noch arbeiten muss, weil er keine Rente bekommt. Die Koppelung an das Alter ist eindeutig und leicht verständlich – und ein einfacher, für alle verständlicher Tarif ist ebenfalls ein wichtiger Beitrag zu Gerechtigkeit und Rechtsfrieden.

Hinsichtlich der Einfachheit, Verständlichkeit und Preisattraktivität setzt dieses Angebot Maßstäbe für die erforderlichen weiteren Strukturreformen auch bei anderen Angeboten im VBB-Tarif.

Die Einführung des Seniorentickets genau zum 10. Jahrestag des VBB-Tarifs ist ein schönes Geburtstagsgeschenk an eine große Fahrgastgruppe und zugleich ein Meilenstein bei der Entwicklung eines einheitlichen Verbundraumes Berlin/Brandenburg.

VBB-Fahrpreise werden 2009 nicht erhöht

Erfreulich ist auch, dass es zum 1. April 2009 nicht die übliche Anhebung aller anderen Tarife geben wird. Zum einen wird damit unterstrichen, dass das Seniorenticket kein Sozialticket ist, welches die „Normalzahler“ durch höhere Fahrpreise mitfinanzieren müssen. Zum anderen wäre es

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ein falsches, nur schwer zu rechtfertigendes Signal. Schließlich haben vor allem die Verkehrsunternehmen in Berlin durch mehr Fahrgäste auch mehr Einnahmen erzielt.

Außerdem sei daran erinnert, dass die BVG-Kunden im Frühjahr während des Streiks schwere Zeiten durchgemacht haben und alle Zeitkarteninhaber für nicht erbrachte Leistungen zahlen mussten. Und die S-Bahn-Kunden ärgern sich täglich über Serviceabbau (personalfreie Bahnhöfe, Beseitigung von Zugzielanzeigern), Fahrzeugmangel und vermehrte Unpünktlichkeit. Am Ende eines solchen Jahres eine Tariferhöhung zu beschließen, wäre nicht zu vermitteln gewesen.

Das hat die SPD-Linkspartei-Regierung in Berlin (mit Ausnahme des überstimmten Finanzsenators) erfreulicherweise ebenso bewertet, zumal die brandenburgische SPD-CDU-Regierung wegen der Landtagswahl im September schon frühzeitig Tarifanhebungen für 2009 abgelehnt hatte.

Berliner Fahrgastverband IGEB

aus SIGNAL 6/2008 (Dezember 2008/Januar 2009), Seite 7

 

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