Wirrwar der Linienkürzel im Regionalverkehr beseitigen

MR, NE, OE, PE, RB, RE
Das Durcheinander im VBB-Regionalverkehr muss – und kann – beendet werden

Die Zahl der Verkehrsunternehmen, die in Berlin und Brandenburg Bahnverkehr anbieten, hat mit jeder Ausschreibung zugenommen. Das hatte auch Auswirkungen auf die Linienbezeichnungen. Verlor DB Regio eine bislang bediente Strecke, dann wurde beispielsweise aus der Regionalbahnlinie RB 26 die NE 26 und aus der RB 60 die OE 60. Das ist für die Fahrgäste sehr verwirrend. Der Fahrgastverband IGEB fordert deshalb, dass sich die Länder Berlin und Brandenburg auf eine einheitliche Bezeichnung verständigen und zur Vorgabe bei allen Ausschreibungen machen.

Präfixwirrwar
Präfixwirrwar Grafiken: Holger Mertens

Nach der Fusion von Reichsbahn und Bundesbahn zur Deutschen Bahn 1994 wurden in Berlin und Brandenburg alle Bahnlinien des Nahverkehrs von der DB betrieben. In Anlehnung an den DB-Fernverkehr mit ICE (InterCityExpress), IC (InterCity) und IR (InterRegio) wurden auch im Nahverkehr neue Produktklassen eingeführt: RE für RegionalExpress und RB für RegionalBahn. Zusammen mit den passenden Logos wurden diese jahrelang in der Öffentlichkeit kommuniziert und erreichten einen hohen Bekanntheitsgrad.

Inzwischen werden im VBB-Gebiet alle Regionallinien im Wettbewerb vergeben. Weil aber RE und RB eingetragene Marken der Deutschen Bahn sind und diese bereits mehrere Strecken nach der Ausschreibung an andere Verkehrsunternehmen verloren hat, müssen sich Fahrgäste seither auf jährliche Änderungen einzelner Präfixe vor den Liniennummern einstellen. Denn immer wenn eine Strecke neu vergeben wurde, bestimmte der Name des Verkehrsunternehmens, das gewonnen hat, den Präfix der Linie: MR für Märkische Regiobahn, NE für Niederbarnimer Eisenbahn, OE für Ostdeutsche Eisenbahn und PE für Prignitzer Eisenbahn.

Logos Regionalbahn und Regionalexpress
Logos Regionalbahn und Regionalexpress

Ähnlich dem sehr populären S-Bahn- Logo wurden in den letzten Jahren auch die RE- und RB-Logos stellvertretend für den Regionalverkehr auf Schienen verwendet. Als das mit der Ausbreitung anderer Eisenbahnverkehrsunternehmen in Berlin und Brandenburg nicht mehr möglich bzw. nicht mehr sinnvoll war, wurde vom VBB das „B“ im quadratischen Kasten eingeführt. Doch auch nach mehreren Jahren ist dieses Logo den meisten Fahrgästen unbekannt. Das dürfte nicht zuletzt an der unmöglichen Assoziation von „B“ mit „Regionalverkehr“ liegen.

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B für...

Das Problem mit den unternehmensabhängigen Linienbezeichnungen und dem „B“ hat auch das brandenburgische Verkehrsministerium erkannt und bei der Erarbeitung des Landesnahverkehrsplans 2008 – 2012 nach Alternativen gesucht. Doch zur Lösung werden im Kapitel „Ausblick Zielnetz 2020“ zwei völlig neue und zusammenhangslose Bezeichnungen aus dem Kauderwelsch-Ärmel geschüttelt: BrandenburgExpress (BE) und RegionalLinie (RL). Vernachlässigt wird bei dieser Bezeichnung, dass der Brandenburgexpress nicht nur durch Brandenburg, sondern auch durch Berlin und andere Bundesländer fährt. Außerdem lässt sich die Abkürzung BE eher mit anderen Sachen assoziieren: Broteinheiten, Bewertungseinheiten, die Führerscheinklasse BE – die Liste ließe sicht BEliebig fortführen. Auch Regionallinie ist als Produktbezeichnung ein Missgriff, zumal man nicht erkennen kann, dass BE und RL zwei Elemente einer Produktfamilie sein sollen.

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Beispiele einiger Regio-Logos in Deutschland

Hilft vielleicht der Blick in andere Regionen, um sich an ihnen zu orientieren? Im Münchener Verkehrsverbund ist das R-Logo auch heute noch für „Regionalzüge“ zu finden. Beim Mitteldeutschen Verkehrsverbund (Raum Leipzig/Halle) wird das alte Regio-Logo mit dem Schriftzug „Zug“ anstelle des „R“ verwendet, und auch im Verkehrsverbund Oberelbe (Raum Dresden) gibt es das Zug-Logo. In Karlsruhe steht das „R“ der Regionalzüge auf grauem rechteckigem Grund. Und Nürnberg hat ebenfalls das „R“, aber in türkis und im Kreis – dafür ist dort auch das Tram-Symbol violett und das Bus-Symbol rot.

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X für Express

Es führt also kein Weg daran vorbei, neu nachzudenken. Und die Lösung ist recht einfach. International und deutschlandweit hat sich bei den Verkehrsunternehmen das „X“ für Expresslinien durchgesetzt. Es wurde in Logos integriert und der Liniennummer vorangestellt. Jetzt tragen Bus- und Straßenbahnlinien einfache Nummern wie beispielsweise 12 oder 200, Expresslinien aber X11 oder X98.

Das gilt auch für andere Bereiche im Alltag. So werden Expressaufzüge mit X gekennzeichnet, Paketdienste nutzen das X für besonders schnelle Zustelldienste und schnell wirkende Kaffee-Aufputschgetränke heißen X-press.

Will man nun Berlin und Brandenburg – und Deutschland – von dem Bezeichnungswirrwarr befreien und eine gute Verständlichkeit und Akzeptanz bei den Fahrgästen erreichen, dann sollte bereits Bekanntes kombiniert werden. Wie von selbst ergeben sich dadurch das R auf türkisfarbenem Grund als Kennzeichnung des Regionalverkehrs und das RX in Schrägstellung, um den Expressverkehr im Regionalnetz zu kennzeichnen. Berliner und Brandenburger können dann beispielsweise mit dem Regiozug R 26 oder mit dem Regioexpress (oder RegioeXpress, wenn einem diese Schreibweise besser gefällt) RX 1, RX 2, RX 3 usw. fahren.

Regiozug und Regioexpress
Regiozug und Regioexpress Grafiken: Holger Mertens

Da einige Regionallinien heute und hoffentlich auch künftig über die Landesgrenzen hinwegfahren, wäre natürlich eine deutschlandweite Vereinheitlichung sinnvoll. Doch die wird schwer durchsetzbar sein und hätte den Nachteil, dass zumindest dreistellige Nummern eingeführt werden müssten. Doch es wäre schon viel erreicht, wenn R und RX endlich das Durcheinander in Berlin und Brandenburg beenden würden. (hm)

Berliner Fahrgastverband IGEB

aus SIGNAL 1/2009 (März 2009), Seite 28

 

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