Nahverkehr

Sprechtag für Straßenbahn­-Fahrgäste

lm Rahmen der diesiährigen Schienenverkehrswochen fand auf IGEB-Einladung am 23. Mai 1995 der Sprechtag für Straßenbahn-­Fahrgäste statt. Als Vertreter des Bereiches Straßenbahn der BVG nahmen Herr Dr. Predl (Unternehmensbereichsleiter Straßenbahn) und Herr Jacobs teil.

In seinem Einführungsvortrag stellte Herr Dr. Predl kurz die derzeitige Situation des Straßenbahnbetriebes in Berlin dar. Zur Zeit würden im Jahr 150 Mio Fahrgäste befördert, Ziel seien 200 Mio. Die Fahrgastzahlen weisen tür 1994 erstmals wieder eine positive Tendenz aus. Die Gesamtsanierung des Netzes soll bis 2001/2002 abgeschlossen sein. 1995 werden ca. 100 Mio DM für das Sanierungsprogramm ausgegeben.

Danach ging Herr Dr. Predl aufeinige seiner Sorgen ein. So fehlt im Bereich Köpenick immer noch ein Gleichrichterwerk, In der derzeitigen Planung ist für das nächste Jahr die inbetriebnahme vorgesehen. Erst ab diesem Zeitpunkt kann auch im Bereich Köpenick baufahrzeuge verzichtet werden. Zum Fahrzeugbestand berichtete er, daß 176 modemisier­te Tatra-­Fahrzeuge im Einsatz sind. Insgesamt sind bis 1997 447 Fahrzeuge zu modernisieren.

Tram
Im Gespräch für Berlin: Ein Zweirichtungszug, abgeleitet aus der Chemnitzer Variobahn, soll in Berlin getestet werden. Endlich", muß man hinzufügen, den schon lange fordert der Berliner Fahrgastverband IGEB Zweirichtungsfahrzeuge für die BVG. Foto: I. Schmidt

Nach den bekannten Problemen mit den neuen Niederflurfahrzeugen sollen bis Ende Juni insgesamt 13 Niederflurfahrzeuge im Einsatz sein. Danach kann der Fahrzeugeinsatz - mit ca. einjähriger Verzögerung allmählich ausgedehnt werden. So sollen demnächst auf der Linie 8E Niederflurfahrzeuge in Doppeltraktion eingesetzt werden, anschließend soll die Linie 7 mit Niederflurwagen ausgestattet werden. Für 1996 und 1997 wurde eine Lieferoption über weitere 60 Niederflurfahrzeuge abgeschlossen. Dabei soll es bei der sechsachsigen Variante bleiben. In absehbarer Zeit soll die Erprobung eines Zweirichtungsfahrzeuges erfolgen. Die Zweirichtungsfahrzeuge sollen jedoch nur eine Ergänzung des Fahrzeugparks bilden, um insbesondere bei Baumaßnahmen flexìbler als bisher zu werden. Am generellen Konzept mit Wendeschleifen soll fest gehalten werden.

Kundenprobleme

ln der anschließenden Diskussion kamen die Probleme der Kunden zur Sprache. Ein wichtiges Thema waren dabei Probleme, die aus der seit Jahresbeginn eingeführten Bedarfshalt-Regelung resultieren. So wurde angeregt, daß in den modernisierten Fahrzeugen ein Aufkleber darauf hinweist daß ab 20.00 Uhr der Haltewunsch per Signalknopf anzuzeigen ist. Kritisiert wurde u.a.der nur schwer zu durchschauende Betrieb auf der Linie 27, da die Züge in den Abendstunden von ihrer normalen Wegführung abweichen. Die Vertreter der BVG sagten eine Prüfung zu, ob die Linie 27 Statt zum Bf Lichtenberg bis zum SEZ verlängert werden kann.

Derzeitiges Hauptsorgenkind ist der Bereich Schöneweide, wo durch Autostaus eine katastrophale Situation entstanden ist. Die BVG erwartet erst nach der Sanierung der Stubenrauehbrücke eine Entspannung, da dies wieder zu einer Entlastung des Treskowbrücke führt. Die BVG wird versuchen, durch die Reservehaltung von Fahrzeugen an der Endstelle Blockdammweg eine Verbesserung der Situation zu erreichen.

Info
Die Verleihung des Bundesfilmpreises war Anlaß für eine dreistündige Einstellung des Öffentlichen Verkehrs auf der Friedrichstraße. Das kann ja heiter werden, wenn erst die Bundesregierung in die Hauptstadt eingetroffen ist. Foto: I. Schmidt

Nach Fertigstellung der Gleisanlagen im Bereich Friedrichstraße/Chausseestraße wird auch die Linie 50 an die Endstelle Kupfergraben herangeführt. Für die häufigen Behinderungen durch Autos im Bereich der Endstelle Kupfergraben ist noch keine Lösung absehbar.

Beklagt wurden die häufig unzureichenden Bedingungen die Fahrgäste, vor allem auch an den neu gestalteten Haltestelleninseln. Einerseits werden den Fahrgästen durch unnötige Absperrgitter sinnlose Umwege zugemutet, andererseits fehlen z.T. Wetterschutz-Einrichtungen völlig, oder die Spritzwasserwände sind völlig unzureichend, z.B. an der Landsberger Allee/Petersburger Straße, wo im übrigen für die wartenden Fahrgäste eine besonders starke Abgasbelastung durch den Autoverkehr besteht.

Straßenbahn zu langsam

Kritisiert wurden von mehreren Teilnehmern die immer länger werdenden Fahrzeiten durch Ampelschaltungen. Selbst an modernisierten Ampeln wird die Straßenbahn bewußt benachteiligt - von Vorrang wagt man als Fahrgast nicht zu träumen. Die BVG verwies auf die Zuständigkeit des Senats in dieser Frage. Festgestellt hat die BVG, daß auf vielen Linien inzwischen wieder die Fahrzeit benötigt werden, die man mit den Altbaufahrzeugen vor Einiührung der Tatra­-Wagen benötigt habe...

Der Senat plant

Ampel
Typisches Beispiel für die Straßenbahn-Behinderung in Berlin: An der neuen Ampel Suermondstraße Ecke Degnerstraße in Hohenschönhausen ist zwar eine Anforderungsschaltung installiert, diese gewährt aber dem Straßenverkehr (einschließlich der Linksabbieger!) Vorrang - die Straßenbahn muß warten! Foto: I. Schmidt

Auf weitere Ausbaupläne wurde nur kurz eingegangen, da diese in die Verantwortung des Berliner Senates fallen. Die Inbetriebnahme der Neubaustrecke über die Bornholmer Straße zum Louise-Schroeder-Platz sei zum 30.09.95 geplant (inzwischen 14.10.95 siehe Seite 4), die Weiterführung bis zum Eckernförder Platz wurde auf 1997 vertagt. Die nächste größere Veränderung betrifft die Anbindung des Alexanderplatzes über die Hans-Beimler-Straße.Die BVG versucht in dieses Planfeststellungsverfahren auch die parallele Trassenführung über die Karl-­Liebknecht-Straße einzubinden. Vorgesehen ist in diesem Zusammenhang auch eine völlige Umgestaltung der Gleisanlagen am Hackeschen Markt. Die Haupttrasse soll dann vom Alexanderplatz über die Spandauer Straße zum Hackeschen Markt Aber mit der Inbetriebnahme ist selbst im günstigsten Fall erst im Jahr 1998 zu rechnen.

IGEB

aus SIGNAL 6/1995 (September 1995), Seite 16-18

 

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