Schienenverkehrswochen 2002

Sprechtag für U-Bahn- und Straßenbahn-Fahrgäste

Der traditionelle Sprechtag am 18. September 2002 für die Straßenbahn war diesmal mit dem Sprechtag der U-Bahn zusammengelegt worden, da der Chef der Berliner Straßenbahn, Herr Dr. Predl, seit ca. einem halben Jahr auch Chef der U-Bahn ist. Mit ihm auf dem Podium saßen für den Betrieb Straßenbahn Herr Lose, für die U-Bahn die Herren Kutscher (Bau) und Kaiser (Betrieb).

Im Einführungsvortrag hielt Dr. Predl einen kurzen Rückblick. So wurde bei der Straßenbahn seit 1991 die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit von 17,3 km/h bis heute auf 20,7 km/h erhöht. Daraus resultiert eine Einsparung von 15 Zügen und 36 Mitarbeiter im Fahrdienst. Fehlend bis heute ist leider immer noch ein sicheres System zur Überwachung der Funktionstüchtigkeit der Lichtsignalanlagen auf den beschleunigten Streckenabschnitten. Die Beschleunigung soll im Jahr 2003 auch den Bezirk Mitte einschliessen. Bis Ende November 2002 wird die Lieferung von insgesamt 30 GT6N-Zweirichtungswagen abgeschlossen sein. Schon jetzt sind Dank der Überwachungskameras die Vandalismusschäden in diesen Fahrzeugen zurückgegangen. Des weiteren gab Dr. Predl eine Übersicht über die Erweiterung des Netzes:

  • Alexanderplatz II (siehe Artikel in diesem Heft, Seite 4),
  • Verlängerung der Straßenbahn-Linie 20 von U-Bahnhof Eberswalder Straße bis Nordbahnhof (2005) mit 1,7 km,
  • Strecke Invalidenstraße nach Lehrter Bahnhof 2,5 km (2006),
  • Leipziger Straße - Kulturforum 3,7 km (Linien 2 und 3/2006).

Leider sind diese „optimistischen" Aussagen durch die aktuelle Politik überholt worden. Auf Grund der Finanzkrise wird zum Beispiel die Strecke zum Kulturforum anscheinend erst ab 2008 in Betrieb gehen.

Die Fahrgastinformation wird ab 2003 weiter verbessert werden, DAISY wird erst auf dem Betriebshof Lichtenberg getestet, der harte Alltagsberieb erfolgt dann auf der Linie 6.

Beim U-Bahn-Kleinprofil erhalten 64 Wagen vom Typ A3 eine Modernisierung. Ohne Probleme verkehren die beiden 8-Wagen-Züge vom Typ HK. Auf Grund der Finanzlage werden sie wohl Einzelgänger bleiben. Beim Großprofil ist die Lieferung der 46 H-Züge abgeschlossen, die ihr Haupteinsatzgebiet auf den Linien 5 und 8 haben. Demnächst fahren sie auch auf der U 7.

Schwerpunkt der U-Bahn-Sanierung wird 2003 endlich die U 5 zwischen Frankfurter Allee und Alexanderplatz sein, die ab Mitte September 2003 für drei Monate voll gesperrt wird. Herr Kutscher erläuterte, dass die Sanierung der U 5 zwischen Alexanderplatz und Lichtenberg bis 2004 abgeschlossen sein muss, denn ab 2005 beginnt der Umbau des Bahnhof Ostkreuz. Da im September 2003 die Straßenbahn-Gleise im Abschnitt Möllendorffstraße der Linien 17/23 überholt werden müssen, gab es hier die Bitte, den Bauablauf in den benachbarten Bereichen noch einmal genauer abzustimmen.

Im U-Bahnhof Jannowitzbrücke beginnen die Dichtungsarbeiten nach dem großem Wasserschaden. Ab April 2003 folgen die Innenarbeiten, allerdings weiterhin ohne Aufzugseinbau, da das Verteilergeschoss zu niedrig ist.

In der Diskussion bekannte sich Dr. Predl im Grundsatz zum U-Bahn-Neubau, auch zur umstrittenen U 5-Verlängerung.

Zur Problematik der fehlenden zweiten Ausgänge, sagte er, dass außer für den U-Bahnhof Sophie-Charlotte-Platz noch keine Genehmigung vorläge.

Zur Neubeschaffung von Straßenbahn-Fahrzeugen wurde ausgeführt, dass nach Ablauf der Nutzungsdauer der modernisieren Tatra-KT4D-Fahrzeuge (ca. 2005/2006) vor allem Zweirichtungsfahrzeuge als Ersatz beschafft werden. Damit soll die Flexibilität auch bei Netzerweiterungen erhöht werden. 2003 wird der neue Abzweig Schönhauser Allee/Wisbyer Straße gebaut, der derzeit von der Straßenbahn-Linie 52 genutzte Abzweig bleibt erhalten. Die Neubaustrecke WISTA Adlershof ist auf den Zeithorizont bis nach 2006/2007 verschoben.

Die Gleise der Straßenbahn-Linie 68 in der Köpenicker Regattastraße sind verschlissen, gleichzeitig müssen die Berliner Wasserbetriebe ihre Leitungen in diesem Bereich sanieren. Deshalb kann die Sanierung nicht in einem „Rutsch" erfolgen, sondern nur abschnittsweise in enger Abstimmung mit den Wasserbetrieben.

Als Resümee der Veranstaltung konnte festgestellt werden, dass Berlin mit U-Bahn und Straßenbahn gute schienengebundene Verkehrsmittel besitzt, aber dass das Gute immer noch zu verbessern ist.

IGEB

aus SIGNAL 6/2002 (Januar 2003), Seite 20

 

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