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Neues zum DB-Winterfahrplan

Eigentlich hat die Bahn den Sommer- und Winterfahrplan abgeschafft. Offiziell gibt es nur noch den Jahresfahrplan, variiert durch den sogenannten kleinen Fahrplanwechsel am letzten Septembersonntag. Dieser diente ursprünglich nur als Termin für das Auslaufen von saisonalen Angeboten. Aber schon in den letzten Jahren und vor allem 1996 kann in vielen Regionen von einem „Fahrplanwechsel“ gesprochen werden, denn dieser bescherte uns zum 29. September ebenso viele Änderungen wie der erst Anfang Juni eingeführte Jahresfahrplan. Wegen der vielen Bahnbaustellen wird sich daran wohl auch in den nächsten Jahren nichts ändern.

Besonders der Fernverkehr wartet bundesweit mit Verbesserungen auf. Durch Fertigstellung der Ausbaumaßnahmen auf der Hamburger Bahn zwischen Nauen und Ludwigslust benötigen die InterCitys zwischen beiden Großstädten jetzt nur noch eine Reisenzeit von zwei Stunden und 38 Minuten. Unübersichtlich bleibt allerdings die Systematik der IC-Halte: Während die Stammlinie auf ihrem Weg von Hamburg nach Berlin Zoologischer Garten (und dann weiter als IC- Linie 8 nach München) nur in Wittenberge hält, ist in Nauen - und nur dort - Stop für die beiden EC-Paare von Hamburg nach Prag, die von dort über Berlin-Lichtenberg verkehren. Fatal ist die Anschlußgestaltung in Wittenberge - der angekündigte wechselseitige Anschluß zwischen der IC-Linie und den InterRegios von Lübeck nach Leipzig und nunmehr neu nach Cottbus kommt nur für die Relation Schwerin - Berlin und zurück zustande. Fahrgäste von Flamburg nach Magdeburg und umgekehrt verpassen um jeweils sechs Minuten ihren Anschlußzug.

Bahnhofsschild
Bahnhofsumbenennung in Brandenburg: Aus Chorin Kloster wird Chorin - durch Abschrauben des rechten Teiles des Bahnhofsschildes. Foto: Stephan Müller

Inkonsequenz auch beim Fernverkehr in Richtung Westen: Aufgrund der fehlenden Festlegung auf einen Fernbahnhalt für den Südwesten Berlins und die brandenburgische Landeshauptstadt halten die nun stündlichen ICE in Richtung Frankfurt am Main, Stuttgart und München alternierend in Berlin-Wannsee und Potsdam, die IC nach Köln und Koblenz halten weiterhin an beiden Bahnhöfen. Die Stadt Brandenburg an der Havel ist jetzt InterRegio-Halt der bisherigen IC-Linie zwischen Berlin-Lichtenberg und dem Ruhrgebiet. Nicht einmal der vielfach gewünschte ICE-Tagesrandhalt Richtung Frankfurt am Main und München wurde dem Oberzentrum zugestanden. Verbesserungen gab es hingegen für viele Bürger Brandenburgs in Richtung Süden: Die in Stralsund einsetzende und das Land erschließende InterRegio-Linie in Richtung Halle/Erfurt erhält in Bitterfeld mit der nun von Hamburg und Berlin Zoo kommenden IC-Linie nach Leipzig und München wechelseitige Anschlüsse. Dies ist ein positives Beispiel dafür, daß auch in kleineren Städten IC-Halte sinnvoll sind, wenn Verknüpfungen hergestellt werden können.

Zug
Foto: Marc Heller
Zugzielanzeiger
Das Zusammenlegen der IC-Verbindungen von Berlin nach Hamburg und München zu einer durchgängigen Linie, die im Bf Zoo „Kopf macht“, bescherte den Reisenden in den ertsen Tagen nach dem Fahrplanwechsel große Verspätungen. Nach Angaben der DB AG gab es Probleme mit den neuen Steuerwagen. Foto: Marc Heller
Zug
Zug der RB 21 nach Nauen im Bf Griebnitzsee. Der Fahrplanwechsel brachte auch für die RB 21 einen veränderten Fahrplan. Die Verstärkerzüge von Griebnitzsee nach Golm verkehren jetzt täglich und fahren weiter bis Hennigsdorf. Unverständlich ist aber, daß die Züge nach Nauen am Wochenende jetzt erst ab mittags verkehren. Foto: Marc Heller
Bahnhof
Neue Linien - altes Inventar. Der Bahnhof Löwenberg ist zwar zum Winterfahrplan noch besserangeschlossen. Der erhoffte Fahrgastzuwachs wird allerdings kaum erreicht werden, wenn die Bahnhöfe weiterhin durch Vandalismus und Witterung verfallen und keine Bemühungen der DB AG erkennbar sind, dies dauerhaft zu ändern. Foto: Stephan Müller

Im Regionalverkehr Berlin/Brandenburg sind vor allem im Westen und Nordendeutliche Änderungen zu verzeichnen. Die RegionalBahn-Linie 18 hat nun wieder zwischen Wittenberge und Neustadt freie Fahrt und verkehrt zweistündlich nach Berlin-Westkreuz. Fahrgäste aus Pritzwalk und Kyritz müssen folglich wieder in Neustadt (Dosse) umsteigen. Durch die Verlängerung der Regionalzüge von Neustrelitz wird zwischen Oranienburg und Westkreuz jetzt ein Stundentakt, zwischen Finkenkrug und Westkreuz sogar ein Halbstundentakt angeboten. Auch zwei vehemente Forderungen des Bahnkunden-Verbandes werden nun umgesetzt Die RB 12 endet nicht mehr in Templin, sondern in Prenzlau. Der Wochenendverkehr ist endlich wieder eingerichtet. Damit und durch die Festlegungen des SPNV-Nahverkehrsplanes ist vorerst die akute Stillegungsgefahr des Abschnittes Templin - Prenzlau gebannt.

Weggefallen ist die RB 19 zwischen Oranienburg und Potsdam Pirschheide. Als Ersatz bietet die DB AG die verdichtete RB 12 mit Übergang in Hennigsdorf auf den neuen Teilast der RB 21 über Potsdam Stadt nach Griebnitzsee an. Dies wäre tragbar, wenn denn auch die Anschlüsse stimmen würden: Satte 44 Minuten Wartezeit müssen die Fahrgäste von Nord nach Süd in Kauf nehmen. Mängel gibt es auch auf dem anderen Teilast der RB 21 (Nauen - Griebnitzsee). An den Wochenenden fahren diese Züge erst ab mittags, und zu den beiden in Nauen haltenden EC-Zugpaaren gibt es keinen akzeptablen Anschluß. Wer aus Hamburg kommt und nach Potsdam weiterfahren will, muß in Nauen 55 Minuten warten in der Gegenrichtung sind es sogar 77 Minuten.

Diese und weitere Veränderungen machen einmal mehr deutlich, daß der Berliner Außenring ein weites Experimentierfeld für die Fahrplanstrategen der DB AG ist. So wurde die erst im Juni eigestellte Verbindung der RB 22 von Flughaien Schönefeld nach Königs Wusterhausen mit zwei Zugpaaren im Berufsverkehr wiederaufgenommen. allerdings mit keinerlei Anschlüssen von und nach Lübben und Cottbus.

Bleibt noch zu vermelden, daß die Anschlußgestaltung in Neuruppin optimiert wurde, der RE-Bus nun in Berlin zusätzlich am U-Bahnhof Jakob-Kaiser-Platz hält und die RegionalBahn-Linien 43 und 44 von Herzberg über Falkenberg nach Cottbus zusammengefaßt wurden.

Deutscher Bahnkunden-Verband
Brandenburg e.V.

aus SIGNAL 7/1996 (Oktober 1996), Seite 6-7

 

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