Fernverkehr

Ab 1. September weitere Ausdünnung des Zugangebotes Deutschland—Polen

Die erst am 8. August 2014 zwischen Frankfurt (Oder) und Poznań Głowny (Posen Hbf) eingeführten zwei täglich verkehrenden Zugpaare des Regionalverkehrs wurden das erste Mal bereits am 31. Dezember 2014 eingestellt (siehe SIGNAL 1/2015).

Nach Protesten aus der Region und von Bundestags- und Europaabgeordneten, insbesondere von Bündnis 90/Die Grünen, bei der polnischen Infrastrukturministerin Maria Wasiak wurde diese grenzüberschreitende Regionalbahnverbindung ab dem 6. Februar 2015 wieder eingeführt, allerdings mit deutlich eingeschränkten Verkehrszeiten von Freitag bis Montag. Ab dem 1. September 2015 wird dieses Angebot nun wiederum eingestellt. Wie das polnische Verkehrsunternehmen Przewozy Regionalne Ende Juli bekannt gab, werde man sich künftig auf regionale Zugverbindungen innerhalb Polens beschränken. Von einem für die Bahnkunden zuverlässigen, verlässlichen Angebot kann hier keine Rede sein.

Unverständlich ist, dass dieses Zugangebot kaum beworben wurde und damit weitgehend unbekannt war. Die Information in der DB-Kundenzeitung „Punkt 3“ war leider eine Ausnahme. Außerdem ließ das zuletzt gefahrene Angebot, abgesehen von

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der zeitlichen Einschränkung, viele Wünsche offen. So war der Fahrplan vor allem auf polnische Bedürfnisse zugeschnitten. Eine preisgünstige Tagestour von Berlin aus nach Poznań war nicht sinnvoll möglich.

Nachdem Anfang März 2015 ebenso überraschend und ebenfalls im laufenden Fahrplanjahr die Züge zwischen Görlitz und Wrocław (Breslau) gestrichen wurden, ist der Trend unübersehbar: Europa wächst vorrangig auf der Straße zusammen! Grenzüberschreitende Bahnverbindungen werden zur Seltenheit; der Verkehrsträger Schiene versinkt immer weiter in der Bedeutungslosigkeit, sofern nicht endlich gegengesteuert wird.

Regionalbahn
Regionalbahnzug von Frankfurt (Oder) nach Poznan. Ab 1. September 2015 ist dieses Angebot bereits wieder Vergangenheit. Nicht nur in dieser wichtigen Relation fehlt eineblängerfristige Finanzierungsvereinbarung, die ein kundengerechtes und zuverlässiges Grundangebot im Regionalbahnverkehr Deutschland—Polen gewährleistet. Mit neuen Finanzierungswegen, z. B. in Form von „EU-Regionalisierungsmitteln“, könnte der grenzüberschreitende Verkehr gefördert werden. Foto: Sebastian Kliems

Darüber kann auch die jüngste Meldung zu der sehr erfreulichen Nachfragesteigerung auf der Regionalbahnlinie RB 66 (Berlin—)Angermünde—Szczecin (Stettin) nicht hinwegtäuschen. Im Jahr 2014 nutzten rund 325 000 Fahrgäste die Züge dieser Linie grenzüberschreitend. Das sind im Vergleich zum Jahr 2009, also vor Einführung des attraktiven „Berlin-Stettin-Tickets“, rund 215 000 Reisende mehr.

Aber auch auf dieser Strecke mangelt es an Impulsen zur weiteren Verbesserung des Angebots. So soll es zwar ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2015 statt derzeit zwei dann insgesamt drei täglich verkehrende, umsteigefreie Zugpaare (d. h. ohne den Umsteigezwang in Angermünde) in der Relation Berlin—Stettin geben und freitags sogar ein viertes, aber noch immer gibt es beispielsweise keine Durchbindung an die polnische Ostseeküste nach Kolobrzeg (Kolberg).

Auch der Ausbau der Bahnstrecke Berlin— Stettin lässt auf sich warten. So wurde am 20. Dezember 2012 zwar das deutschpolnische Abkommen zum Ausbau der Eisenbahnstrecke Berlin—Stettin unterzeichnet, die Realisierung ist jedoch noch immer nicht über das Planungsstadium hinausgekommen.

Die Verantwortlichen in Politik, Verwaltung und bei den Bahnen sind gefordert, hier endlich konkrete Verbesserungsmaßnahmen umzusetzen. Vermittelbar sind die eingetretenen Verzögerungen der Öffentlichkeit nicht mehr.

Deutscher Bahnkunden-Verband (DBV) und
IGEB Fernverkehr

aus SIGNAL 4/2015 (September 2015), Seite 27

 

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