Fernverkehr

Mit dem „Kulturzug“ von Berlin nach Breslau

Im Zuge der Veranstaltungen in der Europäischen Kulturhauptstadt Wrocław (Breslau) gibt es seit dem 30. April 2016 erfreulicherweise auch wieder eine umsteigefreie Bahnverbindung ab/bis Berlin. Diese als „Kulturzug“ bezeichnete bzw. vermarktete Verbindung verkehrt an Sonnabenden, Sonn- und Feiertagen ab Berlin-Lichtenberg über Ostkreuz, Cottbus und Forst.

Die Fahrzeit zwischen Berlin und Wrocław beträgt rund 4,5 Stunden: Abfahrt in Berlin-Lichtenberg 8.31 Uhr, Ankunft in Wrocław Głowny 13.05 Uhr; Abfahrt in Wrocław Głowny 19.21 Uhr an Sonnabenden bzw. 16.29 an Sonntagen, Ankunft in Berlin-Lichtenberg 23.54 Uhr an Sonnabenden bzw. 21.35 Uhr an Sonntagen.

Dieses Angebot ist leider bis zum 25. September 2016 befristet. Seitens der Bundesländer Berlin und Brandenburg wird der Zug mit jeweils 100 000 Euro mitfinanziert.

Zum Einsatz kommen Dieseltriebwagen der Baureihe 628, die über eine Zulassung sowohl für das deutsche als auch polnische Streckennetz verfügen. Diese

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Fahrzeuge sind leider nicht barrierefrei und auch nicht klimatisiert – ein Mangel für Fernverkehr im Sommerhalbjahr. Der Fahrpreis beträgt 19 Euro pro Richtung. Erfreulich ist, dass die Fahrkarten des Kulturzuges zusätzlich auch in den Straßenbahnen und Bussen des Stadtverkehrs in Wrocław gelten.

Während der Fahrt gibt es wechselnde Kulturangebote, wie z. B. Lesungen und Gespräche mit verschiedenen Autoren.

Kein Ersatz für ganzjährig verkehrende Direktzüge Berlin—Wrocław

Aber weiterhin besteht in dieser Relation kein tägliches bzw. ganzjähriges Angebot auf der Schiene. Dies wäre aber, ähnlich wie in der Relation Dresden—Wrocław, als umweltschonende Alternative zum Auto notwendig. Drei Zugpaare würden zumindest ein Grundangebot u. a. für Touristen und Geschäftsreisende darstellen.

Zug
Mit dem Kulturzug gibt es wieder eine, allerdings zeitlich befristete Direktverbindung Berlin—Breslau (Wroclaw). Auf ein tägliches bzw. ganzjähriges Angebot müssen die Fahrgäste jedoch weiterhin warten. Hier besteht Handlungsbedarf! Foto: Christian Schultz

Mit der Führung der Züge über die Ausbaustrecke (Knappenrode—)Horka—Grenze Deutschland/Polen—Węgliniec besteht in Kürze auch die Möglichkeit, die Fahrzeit in der Relation Berlin—Wrocław auf rund 3,5 Stunden zu reduzieren und damit deutlich attraktiver zu gestalten als mit der gegenwärtigen Führung des Kulturzuges über Forst. Der Streckenabschnitt Horka—Węgliniec ist dabei für den Zugverkehr nach Fertigstellung der knapp 160 m langen neuen Neißebrücke ab Dezember 2016 wieder nutzbar.

Direktverbindungen Berlin—Wrocław könnten dann beispielsweise durch den Einsatz von Dieseltriebwagen der Baureihe 642 bzw. der Verknüpfung mit den drei bestehenden Zugpaaren des „Dresden-Wrocław-Express“ (mit Flügelung/Kopplung in Węgliniec) realisiert werden. Das Angebot auf der Schiene wäre somit auch attraktiver als der IC-Bus, dessen Fahrzeit 4:15 Stunden beträgt.

Dringend notwendig ist in der Relation Berlin—Wrocław des Weiteren die Beseitigung vorhandener Infrastrukturmängel, die regelmäßig Ursache für Verspätungen sind. Dazu gehören der Ausbau des Knotens Königs Wusterhausen, die Wiederherstellung der Zweigleisigkeit zwischen Lübbenau und Cottbus sowie der Ausbau bzw. die Elektrifizierung der Strecke Cottbus—Görlitz.

Bund ignoriert Schienenwege nach Polen

Unverständlich: Im Entwurf des Bundesverkehrswegeplans 2030 sind fast alle benannten Teilprojekte, die letztlich der Engpassbeseitigung dienen, in der Grobbewertung ausgeschieden. Lediglich die Elektrifizierung des Abschnitts Cottbus—Görlitz wurde als „Potenzieller Bedarf“ eingestuft, aber eben nicht in die Kategorie „Vordringlicher Bedarf“! Eine schnelle Realisierung ist somit nicht zu erwarten. Konsequent fortgesetzt wird dagegen die autofixierte Verkehrspolitik mit unzähligen Straßenbauvorhaben. Hier sind Korrekturen dringend notwendig (siehe auch Artikel auf Seite 21).

Erfreulicherweise finanziert das Bundesland Brandenburg die ersten beiden Planungsphasen für den zweigleisigen Ausbau der Abschnitts Lübbenau—Cottbus mit 2,4 Millionen Euro. Die entsprechende Vereinbarung wurde am 7. März 2016 von Verkehrsministerin Kathrin Schneider und Dr. Joachim Trettin, dem Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn AG für Brandenburg, unterzeichnet.

Aktuelle Infos zum Kulturzug: bahn.de/kulturzug

Deutscher Bahnkunden-Verband (DBV) und IGEB Fernverkehr

aus SIGNAL 3/2016 (Juli 2016), Seite 24

 

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