Bericht vom Fahrgastsprechtag S-Bahn 2017.

Mehr Fahrgäste, mehr Fahrten, aber zu wenige Züge

Im Rahmen der jährlichen Schienenverkehrswochen veranstaltete der Berliner Fahrgastverband IGEB am 18. September 2017 auch wieder einen Fahrgastsprechtag S-Bahn, bei dem sich Peter Buchner, Sprecher der Geschäftsführung der S-Bahn Berlin GmbH, wie gewohnt offen und souverän den Fragen und der Kritik des Publikums stellte.

Auch in diesem Jahr diente die DB-Kantine nahe dem S-Bahnhof Nordbahnhof als Veranstaltungsort.

Altbaufahrzeuge

S-Bahn Gleise
Bahnhof Ostkreuz, östliches Gleisvorfeld. Seit 21. August können alle Linien in Richtung Osten und Westen jeweils am selben Bahnsteig halten. Und ab 10. Dezember können die Regionalzuglinien RE 1, RE 2, RE 7 und RB 14 in Ostkreuz halten. Angesichts dieser großen Veränderungen war der Bahnhof Thema bei gleich drei Fahrgastsprechtagen der Schienenverkehrs-Wochen 2017. Foto: Tom Gerlich

Die Projekte „Weiterbetrieb Baureihen (BR) 480 und 485“ und „Langlebigkeit BR 481“ überschneiden sich in allen Phasen und sind sehr komplex.

Die Planung für die BR 480 ist abgeschlossen und bis Ende des Jahres 2017 werden 60 von 70 Viertelzügen (Vz) im Werk Schöneweide umgerüstet. Die restlichen 10 Vz folgen im 1. Quartal 2018. Es erfolgen die Aufarbeitung des Antriebsstrangs und der Radsatzgetriebe, die Sanierung der Drehgestellrahmen, die Umstellung der Signallichter auf LED und der Austausch der Übergabestecker an der Kurzkupplung.Durch diese Maßnahmen sind die Fahrzeuge zuverlässiger und auch leiser geworden. Das Problem mit den anfangs auftretenden Störungen an den Antriebscontainern ist inzwischen durch Anpassung an Fahrzeugteilen und in der Software gelöst.

Bei der BR 485 (80 Vz) wurde das Musterumbaufahrzeug 485 119 Ende September fertig, der Serienumbau folgt bis Ende 2019. Dabei erfolgen unter anderem die Stabilisierung der Drehgestellrahmen, der Austausch von Dichtungen in den Unterflurgeräten, die Überholung der Bremswiderstandscontainer, die Aufarbeitung der Elektrokupplung und ein „Massemanagement“, bei dem der

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Innenraum umgebaut wird, um die Masse über dem ersten Drehgestell zu verringern. Hierwuchs die Masse durch das Hinzufügen von Systemen wie FASSI oder ZAT stetig. Weitere zusätzliche Systemewie z.B. GSM-R sind vorgesehen.

Bahnsteig richtung Osten S-Bahnhof Friedrichstraße
Foto: IGEB

Das Ertüchtigungsprogramm für die Baureihen 480 und 485 erfolgt im Auftrag der Länder Berlin und Brandenburg. Das Investitionsvolumen beträgt 150 Millionen Euro (inklusive der zusätzlichen Revisionen). Die Umsetzung erfolgt überwiegend in S-Bahneigenen Werkstätten, wofür 70 zusätzliche Handwerker-Arbeitsplätze eingerichtet und 4 Millionen Euro in Instandhaltungstechnik investiert wurden.

Die Konzeption für die Langlebigkeit der BR 481 (500 Vz) ist weitestgehend abgeschlossen. Geplant sind unter anderem die Sanierung von Baugruppen bzw. der Austausch von Komponenten am Wagenkasten und Laufwerk sowie in der Inneneinrichtung, Leittechnik und Energieversorgung. Das Maßnahmenpaket enthältinsgesamt ca. 150 Technikthemen.

S-Bahn am Bahnsteig S-Bahnhof Südkreuz
Zug der Baureihe 480. Die S-Bahn prüft, ob diese Züge nicht doch auf das Zugbeeinflussungssystem ZBS umgerüstet werden können und damit in den nächsten Jahren flexibler und vor allem über 2023 hinaus einsetzbar sind. Foto: Marc Heller

Die Ausrüstung mit ZBS (Zugbeeinflussung S-Bahn) in den Fahrzeugen der Baureihe 481 ist seit Ende 2016 abgeschlossen. Während es bisher immer hieß, dass die älteren Baureihen 480 und 485 kein ZBS mehr erhalten sollen bzw. können, findet nun für die Baureihe 480 ein Umdenken statt. Aufgrund des allgemein noch guten Wagenkastenzustands dieser Baureihe prüft die S-Bahn derzeit, ob es doch eine Möglichkeit gibt, ohne eine Neuzulassung für die Baureihe 480 ZBS einbauen zu können. So könnten diese Fahrzeuge über das Jahr 2023 hinaus in Betrieb bleiben und für Leistungserweiterungen zur Verfügung stehen. Die Voruntersuchung verlief positiv. Bis Ende dieses Jahres soll eine endgültige Entscheidung hierzu fallen. Vermutlich werden dann aber nicht alle Fahrzeuge ZBS erhalten, so dass einige als Ersatzteilspender dienen können.

Neue Baureihe 483/484

Neubaufahrzeuggerüst
Am 14. Oktober 2017 konnte im Pankower Werk von Stadler der erste Wagenkasten für die neue Berliner S-Bahn-Baureihe 483/484 öffentlich besichtigt werden. Foto: Florian Müller

Im Oktober 2016 wurde ein Fahrzeugmodell der neuen Baureihe 483/484 vorgestellt. Dieses begehbare Mockup im Maßstab 1:1, von den Kulissenbauern des Filmstudios Babelsberg hergestellt, wurde anschließend neben der Presse zahlreichen Vertretern der Fahrgast- und Behindertenverbände, diversen Fahrgästen, dem Kundenbeirat und natürlich auch den eigenen Mitarbeitern zu Testzwecken vorgestellt, um ein umfassendes Meinungsbild zu erhalten.

Mehr als 1000 Hinweise mit Lob, Kritik und Verbesserungsvorschlägen sind eingegangen. Sofern umsetzbar, sollen die Vorschläge in die Fahrzeuggestaltung Eingang finden.

Als besonders positiv befanden die Probanden die seitlichen Anzeiger außen und innen sowie die Lichtsignale an der Tür. Völlig „durchgefallen“ ist dagegen der geplante Liniennetzplan an der Decke, der über Kopf nicht lesbar war. Ambivalent diskutiert wurden die Haltestangenanordnung in den Einstiegsbereichen. Hier muss der Praxistest zeigen, wo sie am sinnvollsten sind.

Das vorgeschlagene frischere Design mit etwas anderen Rot- und Gelb-Farbtönen und anderer Aufteilung wurde von der Hälfte der Probanden positiv aufgefasst, ein Drittel bevorzugte eine Kombination aus modern und traditionell und knapp 15 Prozent hielten an den traditionellen Farben fest. Dennoch wird es eine Anpassung geben, bei der der schwarze Zierstreifen entfällt und das Rot auch im Frontbereich eingesetzt wird. Bei den moderneren Farbtönen soll es hingegen bleiben.

Im Oktober wird der erste Wagenkasten aus Ungarn kommend bei Stadlerin Pankow erwartet, so dass die Fertigstellung des ersten Zuges starten kann, der im Herbst 2018 rollfähig sein soll. Im Jahr 2019 wird dieser auf dem Testring des Siemens-Prüfcenters in Wegberg-Wildenrath umfangreich getestet, bevor im Jahr 2020 nächtliche Testfahrten auf der Ringbahn folgen. Die Inbetriebnahme ist für Januar 2021 auf der Linie S 47 vorgesehen.

Bis Oktober 2023 sollen schrittweise die weiteren Linien S 46, S 8, S 41 und S 42 umgestellt werden. Bisher fest bestellt sind 21 zweiteilige Fahrzeuge der Baureihe 483 und 85 vierteilige Fahrzeuge der Baureihe 484. Dies entspricht 191 Viertelzügen. Eine frühzeitige Erhöhung der Bestellung ist aktuell nicht vorgesehen.

Erfreuliches gibt es vom Verein Historische S-Bahn zu vermelden. An zwei historischen Viertelzügen finden derzeit Arbeiten statt. Während die S-Bahn Berlin durch Leistungen in Naturalien unterstützt und in der Hauptwerkstatt aktuell die Radsätze ertüchtigt, klärt der Verein mit dem Eisenbahn Bundesamt (EBA) die Genehmigungen für die Sicherungsanlagen. Mitte 2018 sollen die Fahrzeuge wieder in Betrieb gehen. Und wenn alles mit der Zulassung klappt, soll zu Weihnachten 2018 wieder der Weihnachtszug seine Runden drehen.

Die Panorama-S-Bahn hingegen kehrt auf absehbare Zeit nicht zurück. Sie benötigt eine umfangreiche Ertüchtigung, die derzeit niemand leisten kann. Das Fahrzeug ist aber wenigstens geschützt abgestellt, so dass es nicht der Witterung oder dem Vandalismus ausgesetzt ist.

Umbau Ostkreuz

Seit 2006 wird der Bahnhof Ostkreuz unter laufendem Betrieb umgebaut. Die Fertigstellung erfolgt 2018. Zum 21. August 2017 wurde eine weitere Bauphase abgeschlossen, die die Rückkehr der Linie S 3 auf die Stadtbahn ermöglichte und einen wochenlangen Schienenersatzverkehr beendete. Die Freude darüber wurde in den ersten Tagen allerdings stark durch eine unpünktliche Betriebsführung auf den Stadtbahnlinien S 3, S 5, S 7 und S 75 getrübt, die vor allem auf der Linie S 75 zu vielfach kritisierten Angebotskürzungen führte.

Grund für die Probleme waren das fehlerhafte Zusammenspiel zwischen dem alten Stellwerk in Lichtenberg und dem neuen elektronischen Stellwerk (ESTW) sowie Signalstörungen an den Ausfahrten Jannowitzbrücke und Kehre Ostbahnhof West, die keine gleichzeitigen Einfahrten in den Bahnhof Ostbahnhof ermöglichten. Nach der Fehlerbehebung durch DB Netz konnte am 8. September der Regelbetrieb aufgenommen werden. Der Anspannungsgrad bleibt aber aufgrund der noch bis Ende 2018 eingeschränkten Infrastruktur hoch. Das insbesondere im Störungsfall anfällige System steht unter kontinuierlicher Beobachtung und die Entwicklung der Betriebsqualität auf der Stadtbahn wird regelmäßig ausgewertet.

Zum Fahrplanwechsel am 10. Dezember 2017 endet die aktuelle Bauphase mit der vollständigen Inbetriebnahme der Südkurve am Ostkreuz und der Rückkehr der S 9 auf die Stadtbahn.

Baumaßnahmen 2018

Mit Stand Juli 2017 sind die folgenden größeren Baumaßnahmen für 2018 vorgesehen, die meistens mit Schienenersatzverkehr (SEV) verbunden sind:

  • Fertigstellung Viergleisigkeit Ostbahnhof—Ostkreuz
  • Sanierung der Gleishallen Ostbahnhof
  • Brückenarbeiten S 2 Nord und Neubau der Brücke über die Autobahn A114
  • Ersatzneubau Überführung Rhinstraße (am S-Bahnhof Friedrichsfelde Ost)
  • Ersatzneubau Überführung Thälmannstraße in Hoppegarten und Entflechtung S-Bahn/Regionalverkehr im Bahnhof Strausberg
  • Neubau S-Bahnsteig Karlshorst
  • Rückbau Gleisverschwenkung für Weiterbau Autobahn A100 im Bereich Sonnenallee
  • Ersatzneubau Überführung Sterndamm (am S-Bahnhof Schöneweide) und Neubau Personentunnel bis 2021
  • Neubau Personentunnel Eichwalde und Zeuthen
  • Gleis- und Weichenerneuerungen Tempelhof
  • ESTW Marienfelde und Ausrüstung S 2 Süd (Priesterweg bis Blankenfelde) mit ZBS
  • Sanierung Personentunnel Lichterfelde Ost
  • Ausrüstung S 1 Süd (Anhalter Bahnhof bis Wannsee) mit ZBS
  • Ausrüstung S 7 West (Charlottenburg bis Potsdam Hauptbahnhof) mit ZBS und Aufbau Begegnungsabschnitt (Verlängerung Zweigleisigkeit) vor dem Bahnhof Potsdam Hauptbahnhof
  • Ausrüstung S 3/S 9 West (Westkreuz bis Spandau) mit ZBS

Sonstige Infrastrukturmaßnahmen

Auf 88 übersichtlichen Bahnhöfen fertigtsich der Triebfahrzeugführer in der Regel mittels Abfertigungsspiegel selbst ab. Auf den verbleibenden 80 Bahnhöfen benötigt er Bilder zur Übersicht über den Zug, die ihm mittels moderner Videotechnik zur Verfügung gestellt werden. Die Einführung dieses Abfertigungsverfahrens, ZAT-FM genannt (Zugabfertigung durch Triebfahrzeugführer mittels Fahrzeugmonitoren), ist bis auf zwei Ausnahmen abgeschlossen. Diese sind Warschauer Straße, nur noch für wenige Wochen, und Schönhauser Allee. Letztgenannter Bahnhof liegt in einerstarken Krümmung,so dass hier eine Speziallösung mit 6 Bildern in Arbeit ist, die noch 2017 eingesetztwerden soll.

Das Reisendeninformationssystem wurde von Grund auf modernisiert. Bis Ende 2018 werden auf 48 Bahnhöfen die Lautsprecheranlagen modernisiert. Auf 7 Bahnhöfen an den Strecken nach Tegel (S 25), Ahrensfelde (S 7) und Spindlersfeld (S 47) sollen 12 LCD-Zugzielanzeiger, die von den Regionalbahnsteigen der Stadtbahn stammen, die dort vorhandenen dynamischen Schriftanzeiger (DSA) ersetzen. Die S-Bahn Berlin ist weiter bemüht, auch die restlichen Bahnhöfe ohne LCD-Anzeiger mit solchen auszurüsten, und sucht nach einer Finanzierungsmöglichkeit hierfür.

Im Betriebswerk Friedrichsfelde ist die neue Waschanlage in Betrieb und die Sanierung der Triebwagen- und Kranhalle abgeschlossen. Durch DB Netz erfolgt bis ins nächste Jahr hinein nun noch der Neubau der Zugbildungsanlage (ZBA). Hierfür werden 14 Mio. Euro investiert.

Die ZBA Tempelhof, zwischen Südkreuz und Tempelhof gelegen und beidseitig angeschlossen, nimmt zum Fahrplanwechsel im Dezember 2017 ihren Vollbetrieb auf.

Fahrplan 2018

S-Bahn am Bahnsteig S-Bahnhof Ostbahnhof
Bf. Ostkreuz. Noch hält die vom Flughafen Schönefeld gekommene S 9 hier und fährt weiter nach Pankow. Ab 10. Dezember fahren die Züge am Ostkreuz vorbei auf die Stadtbahn. Damit entfällt nicht nur die umsteigefreie S-Bahn-Direktverbindung vom Ostring zum Flughafen, sondern die Züge der anderen S-Bahn-Linien auf dem Ostring werden voller sein. Außerdem entstehen zwischen Warschauer Straße und Ostkreuz regelmäßig 8-Minuten-Lücken. Foto: Marc Heller

Zum Fahrplanwechsel am 10. Dezember 2017 werden einige Linienführungen angepasst. Grund ist zum einen die Rückkehr der Linie S 9 auf die Stadtbahn und zum anderen der durch die Infrastruktur bedingte zwingende Einsatz von Fahrzeugen mit ZBS auf bestimmten Strecken, weshalb die Linie S 85 nicht mehr nach Waidmannslust verkehren kann (die Änderungen im Detail siehe ­SIGNAL 4/2017).

Besonderes Augenmerk verdient die neue Führung der S 9 Spandau—Südringkurve—Flughafen Schönefeld und die sich daraus ergebenden Folgen.

Die Linie S 9 kehrt auf die Stadtbahn zurück und verkehrt alle 20 Minuten mit Vollzügen, im Nachtverkehr alle 30 Minuten, zwischen Spandau und Flughafen Schönefeld bei neuen Abfahrtszeiten. Sie hält in beiden Richtungen nicht am Ostkreuz.

Während im Nordsüd-Tunnel und zwischen Schöneweide und Grünau das Angebot mit den Änderungen zum Fahrplanwechsel leicht verbessert wird, führt die Rückkehr der S 9 auf die Stadtbahn zu einem geringeren Angebot auf dem stark nachgefragten Ostring  – und dies sowohl tagsüber als auch abends. Dort fehlt nun eine Zuggruppe, so dass die Züge hier noch voller werden.

Durch die Wegnahme der S 9 werden auch die Kurve Bornholmer Straße—Schönhauser Allee und die gut nachgefragte Direktverbindung Ostkreuz—Adlershof abends nur noch alle 20 Minuten befahren bzw. angeboten, was gerade im Hinblick auf den weiteren Bedeutungsgewinn am Ostkreuz, wenn dort auch die Regionalzüge der Stadtbahn halten, ein schwerer Einschnitt ist.

Die „Übereckverbindung“ Stadtbahn—Treptower Park ist künftig auf schnellstem Wege nur noch mit Blick auf das Smartphone zu meistern: Mit S 5/S 7 bis Ostkreuz vorfahren und dort in die S 41/S 8/S 85 umsteigen, oder in Warschauer Straße aussteigen und auf die nur alle 20 Minuten fahrende S 9 warten?

Aufgrund der angespannten Fahrzeugsituation können Angebotserweiterungen auf einer Strecke derzeit aber nur durch Angebotsreduzierung auf anderen Strecken durchgeführt werden, weshalb auch keine Bestellung einer siebten Zuggruppe über die Stadtbahn absehbar ist, mit der die S 75 auf die Stadtbahn zurückkehren könnte.

Die Verbindung Warschauer Straße—Lichtenberg wird deutlich ausgedünnt. Die S 9 verlässt die Stadtbahn in Warschauer Straße, die S 75 setzt aber erst in Ostkreuz ein. So ist Lichtenberg nur im unattraktiven 2/8-Minuten-Takt erreichbar.

Immerhin sollen ab Ende 2018 mit Inbetriebnahme der Viergleisigkeit Ostbahnhof—Ostkreuz die S 75 wieder bis Ostbahnhof und die S 5-Verstärker bis Warschauer Straße verlängertwerden und so Anschlüsse an die S 3 und S 9 herstellen.

Aktuelle Performance

S-Bahn-Bahnsteig-Zugzielanzeiger mit Zug fällt aus geschildert
S-Bahn-Chef Peter Buchner beschönigte es in seinem Jahresrückblick nicht: Noch immer gibt es bei der Berliner S-Bahn zu viele Zugausfälle und Verspätungen. Foto: Marc Heller

Die Pünktlichkeit der S-Bahn hat in den letzten 12 Monaten nachgelassen. Statt des gewünschten Schritts nach vorn, gab es einen halben Schritt zurück, so Buchner. Sie lag seit September 2016 mit Ausnahme des Aprils 2017 stets unter der Pönalegrenze von 96 Prozent, anfangs nur leicht, seit Mai 2017 mit Werten um die 92 Prozent jedoch deutlich.

Größtes Sorgenkind ist die Ringbahn, weshalb hier das Qualitätsprogramm Ringbahn PLUS zusammen mit DB Netz gestartet wurde. Ziel ist die Steigerung von Zuverlässigkeit und Kundennutzen. Dazu soll es unter anderem umfangreiche Maßnahmen an der Infrastruktur, eine Personalaufstockung in der Disposition und zusätzliche mobile Einsatzgruppen für die Durchsetzung des Hausrechts und für die Erhöhung des subjektiven Sicherheitsgefühls im Nachtverkehr geben. Verschmutzungen in den Fahrzeugen und auf den Bahnhöfen können seit dem 3. Juli per WhatsApp der S-Bahn gemeldet werden. Der Fokus liegt derzeit auf den Ringbahnlinien S 41 und S 42, wozu Reinigungspersonal am Bahnhof Westkreuz stationiert wurde. So können innerhalb von 40 bis 50 Minuten die Verschmutzungen beseitigt werden.

2016 nutzten rund 431 Millionen Fahrgäste die S-Bahn Berlin. Dies sind 11 Prozent mehr als 2008. Gegenüber 2015 konnte die Nachfrage um 3,3 Prozent gesteigert werden.

Die Verkehrsleistung der S-Bahn Berlin ist 2016 mit 4432 Mio. Personenkilometer (Pkm) um ebenfalls rund 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen. Sie liegt damit um rund 14,1 Prozent höher als im Jahr 2008. Auch die Zahl der Zeitkartenabonnenten steigtweiter,wenn auch nicht mehrso stark wie noch vor sechs, sieben Jahren. Ende 2016 gab es bei der S-Bahn 210 900 Abonnements, Ende August dieses Jahres waren es bereits 212 200.

Vertrieb und Kundeninformation

Der elektronische Fahrausweis VBB-fahrCard wird an weitere Zielgruppen verteilt. Nachdem bereits Abonnenten der Umweltkarte, der Auszubildenenkarte, der 10-Uhr-Karte, der Abo-65plus-Karte und des Schnupperabos diese erhalten haben, insgesamt mehr als 180 000 Kunden, folgen nun die Firmenticket-Besitzer. Die Verteilung an Nutzer der Schülerkarten ist ebenfalls vorgesehen, aber erst nach einer tariflichen Anpassung möglich. Problematisch ist hier die Unterteilung nach „normalen“ Karten und Geschwisterkarten.

Der Vertrieb an festen Verkaufsstellen und Automaten wird weiter verbessert. So ist an den Automaten jetzt auch die Zahlung mit Kreditkarten möglich. Die Online-Abonnementverwaltung ist nun auch über Tablet und Smartphones möglich. Auf der Webseite wird das Angebot an Onlinetickets für touristische Angebote erweitert.

Am S-Bahnhof Flughafen Schönefeld soll im Oktober eine Fahrkartenausgabe im Fußgängertunnel eröffnet werden. Darüber hinaus soll das Angebot an Fahrkartenautomaten dort erhöht und deren Standortkonzept überarbeitet werden. Der Verkauf von Ticketsin der S-Bahn-App ist hingegen nicht vorgesehen, da es hier schon genug andere Anbieter gibt.

Der offizielle Twitterkanal @SBahnBerlin, der 2012 von einer Privatperson übernommen wurde, hat im August die Zahl von 180 000 Followern überschritten. Hierüber werden störungsbedingte Abweichungen vom Regelfahrplan, Bauarbeiten, Events und besondere Termine kommuniziert. Seit der Übernahme wurden über 61 000 Tweets abgesetzt. Das Twitter-Team ist täglich aktiv, Montag bis Freitag von 6 Uhr bis 22 Uhr, am Wochenende sowie feiertags von 7 Uhr bis 21 Uhr.

Am 10. Oktober 2017 wird das zehnjährige Bestehen des Kundenbeirats, dem Bindeglied zwischen Kunden und Unternehmen, gefeiert. Alle drei Jahre werden bis zu 25 Mitglieder gewählt, die einen repräsentativen Querschnitt aller Alters- und Bevölkerungsgruppen bilden und sich für die Steigerung der Kundenzufriedenheit einsetzen. Schwerpunktthemen sind die Verbesserung der Qualität, der Sauberkeit, des Services und der Sicherheit, die durch Mitwirkung in Arbeitsgruppen erreicht werden sollen.

Im ersten Halbjahr 2017 wurden für drei Baumaßnahmen 155 000 Bauflyer verteilt, davon allein 100 000 für den Schienenersatzverkehr am Ostkreuz. Sie wurden auf das neue VBB-Layout für Regelabweichungskommunikation umgestellt und werden inzwischen mithilfe von Promotionteams direkt in den Zügen an die Fahrgäste verteilt. Dies hat sich als wirkungsvoller als die Max-Bahnbau-Treffs erwiesen, weshalb diese nicht mehr stattfinden. Die Bauaushänge auf den Bahnhöfen haben ebenfalls das neue Layout erhalten.

Fahrgäste werden bei Ersatzverkehr mit Bussen mittels auf den Boden geklebten „Fußtapsen“ zum Bus geleitet. 2016 wurden insgesamt 5218 Fußtapsen geklebt, in diesem Jahr waren es bisher 3826. Dazu kommen die temporären Wegeleitungen mittels Schildern in verschiedenen Größen.

Auch die SEV-Busse erhalten Schilder für die Auslage in der Front und an den Seiten. Darüber hinaus sollen sie  – sofern softwareseitig möglich – in den Fahrzielanzeigern die Liniennummer derzu ersetzenden S-Bahn-Linie und das Fahrziel anzeigen. Dies ist besonders dann zwingend notwendig, wenn es verschiedene SEV-Linien gibt, die alle an derselben Haltestelle abfahren. Negativ ist hier zuletzt die gleichzeitige Unterbrechung der S 3 und der Regionalverkehrslinie RE 1 aufgefallen. Die Ersatzbusse, vor allem des Regionalverkehrs, waren am Bahnhof Erkner oft nur mit „Schienenersatzverkehr“ geschildert, so dass es Verwirrung gab, wohin denn die Busse fahren und was sie ersetzen. So fand sich der eine oder andere Fahrgast im falschen Bus wieder. Daher gibt es Forderungen, in solchen Fällen verschiedene Haltestellen für die Abfahrt zu nutzen. Dies sieht Herr Buchner prinzipiell genauso, doch werden der S-Bahn die in der Regel bereits vorhandenen Haltestellen von den anderen Betrieben unter Berücksichtigung von deren Belangen zugewiesen.

Seit dem 12. August 2016 kann über die Webseite der S-Bahn Berlin eine Verspätungsbescheinigung ausgestellt werden. Dazu gibt der Fahrgast die Verbindung ein, die er genutzt hat, und das System prüft, ob hier tatsächlich eine Verspätung vorlag, und stellt bei Korrektheit eine Bescheinigung aus, die dann ausgedruckt z.B. dem Arbeitgeber vorgelegt werden kann.

Sonstiges

  • Nach wie vor ist der zweigleisige Ausbau nach Tegel und die damit verbundene Verdichtung auf einen 10-Minuten-Takt vorgesehen. Die Planung hierzu soll „zeitnah“ beginnen, die Umsetzung ist aber weiterhin nicht terminiert und wird eher mittelfristig erfolgen.
  • Die S-Bahn Berlin bezahlt zwei Sozialarbeiter der Bahnhofsmission, um dem Problem mit den zumeist übel riechenden Obdachlosen in den Zügen besser Herr zu werden. Diesen bedürftigen Personen sollen unter anderem die bestehenden Angebote von verschiedenen Trägern besser vermittelt werden. Das Projekt wird im Jahr 2018 fortgesetzt.
  • Die Aktion „Mein Becher für Berlin“, bei der Kunden Mehrwegbecher für den Kaffeegenuss unterwegs erwerben und in verschiedenen Läden befüllen können, ist ein großer Erfolg und wurde seitens aller beteiligten Partner dauerhaft verlängert. Inzwischen wurden von anderen Akteuren ähnliche Aktionen gestartet.

Jens Fleischmann

aus SIGNAL 5/2017 (November / Dezember 2017), Seite 4-7

 

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