U-Bahn

Denkmalschutz nur für Spielereien?

U-Bahnhöfe, die nach 1961 in Betrieb gingen, galten der Berliner Denkmalpflege lange als nicht schutzwürdig. Dabei werden immer mehr dieser Zeugnisse des West-Berliner U-Bahn-Baubooms der Nachkriegszeit vollständig umgestaltet und verlieren dabei ihr Gesicht. Anfang 2017 stellte man endlich acht 1974, 1980 bzw. 1984 eröffnete Stationen unter Schutz. Doch die Wahl fiel vor allem auf Produkte der postmodernen Architektur, derweil viele modern gestaltete U-Bahnhöfe nach wie vor schutzlos und bedroht sind. Ob die inzwischen geplante Unterschutzstellung der Stationen auf der Strecke in die Ost-Berliner Trabantenstadt Hellersdorf auch für West-Berliner Bauten Hoffnung verspricht?

Und sie bewegt sich doch! Viele Jahre lang war es für die Berliner Denkmalpflege kein Thema, U-Bahnhöfe unter Schutz zu stellen, die „erst“ dreißig, vierzig oder fünfzig Jahre alt sind. Mehr noch als bei Laien löste dieses Verhalten bei Fachleuten Verwunderung aus. Gilt doch als Faustregel, dass Denkmalschutz für ein Bauwerk erst dann in Frage kommt, wenn dieses einer „abgeschlossenen Gestaltungsepoche“ angehört. Und wer baut schon noch wie in den 1960er oder gar 1970er und 1980er Jahren?

Bahnhof
Das war einmal: Wie bei vielen Berliner U-Bahnhöfen aus den sechziger und siebziger Jahren wurde auch die originale Verkleidung der 1971 eröffneten U 7-Station Yorckstraße inzwischen abgeschlagen. Statt auf Keramikriemchen blicken die Fahrgäste hier seit über einem Jahr auf nackte Betonwände. Foto: Jan Gympel

Womöglich wurden der Denkmalpflege in Sachen Berliner Verkehrsarchitektur auch (wieder einmal) seitens der Politik Zügel angelegt. Jedenfalls schien mit der „Grundsatzvereinbarung zur Regelung der Zusammenarbeit bei Umbauten und Grundinstandsetzungsmaßnahmen in denkmalgeschützten U-Bahnanlagen“, die am 30. April 2001 zwischen BVG und Landesdenkmalamt geschlossen worden war, das letzte Wort gesprochen: Die beigefügte umfangreiche Auflistung der betreffenden Stationen (geordnet nach dem Umfang ihrer „Schutzgutdichte“) bzw. einzelner erhaltenswerter Elemente auf ihnen, durfte offenbar nicht ergänzt werden. So waren die einzigen nach 1961 eröffneten Stationen, die unter Schutz standen, der U-Bahnhof Pankstraße (dieser allerdings als „Mehrzweckbau, U-Bahnhof mit Zivilschutzanlage“, sprich: Bunker) sowie die jüngeren Teile der 1913 in Betrieb genommenen Station Fehrbelliner Platz.

Ein Trostpflaster fürs ICC?

Erst im Laufe des Jahres 2016 kam endlich Bewegung in die Sache, unter anderem durch einen offenen Brief von Kunsthistorikern und anderen Fachleuten, die den rasanten Verlust von U-Bahnhöfen aus den sechziger, siebziger und achtziger Jahren beklagten: Bei „Grundinstandsetzungen“ verpasst die BVG diesen Stationen regelmäßig ein völlig neues Gesicht.

Anfang 2017 wurde dann der U-Bahnhof Schloßstraße unter Schutz gestellt – buchstäblich fünf nach zwölf, denn mit der Sanierung dieser 1974 eröffneten Station hatte die BVG bereits Mitte 2016 begonnen. Zu diesem Zweck waren unter anderem schon die charakteristischen Kunststoffelemente [...]




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Jan Gympel

aus SIGNAL 1/2018 (April 2018), Seite 12-15

 

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