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Zum VBB-Start am 1. April 1999

Sieben Forderungen zur sofortigen Änderung des VBB-Tarifs

VBB-Tarifwirrwarr verschreckt Fahrgäste

Wo mit den Monatskarten für Landkreise eine brauchbare Lösung eingeführt wird, ist das Wabenwirrwarr des VBB für den Einzelfahrschein nicht vermittelbar, ist Verwirrung vorprogrammiert. Die Berliner Verkehrsinitiativen und -verbände fordern daher, mittelfristig die kleinteilige Wabenstruktur aufzugeben und durch große Tarifgebiete, die auch Grundlage für Monatskarten sein könnten, zu ersetzen.

Die nachfolgenden sieben Forderungen sind jedoch unabhängig davon sofort umsetzbar.

1. Im gesamten Verbund muß eine Kinderermäßigung von 40 % gelten

Die Kinderermäßigung wurde beim VBB (außer im Berliner Tarifgebiet AB) mit 25% festgesetzt. Damit ist der VBB der unsozialste Verkehrsverbund Deutschlands. Wo deutschlandweit die Politik den Versuch unternimmt, die Familien zu entlasten, kassiert der VBB bei den Familien ab. Wer soll das verstehen?

Fahrkartenschalter
Bf Alexanderplatz: Geduldige Fahrgäste warten am Schalter. Foto: Marc Heller

2. Der InterRegio muß in den Verbund integriert werden

InterRegios dürfen im VBB-Gebiet nicht mit einem VBB-, sondern nur mit einem DB-Fahrschein benutzt werden. Das führt beispielsweise zu der verwirrenden Situation, daß man zwischen Angermünde und Prenzlau, wo abwechselnd REs und IRS fahren, den RE nur mit einen VBB-Fahrschein und den IR nur mit einen DB-Fahrschein benutzen darf.

Eine Strecke, ein Verkehrsmittel, ein Verkehrsbetrieb, zwei Fahrscheine!

Wer soll das verstehen?

3. Der „ABC-Durchmesser-Fahrschein" muß ersatzlos gestrichen werden

Für 30 Pfennig Mehreinnahme von einem extrem kleinen Kundenkreis hat der VBB einen Fahrschein eingeführt, dessen Regelung kaum jemand bisher verstanden hat. Denn mitnichten muß man mit einem ABC-Durchmesserfahrschein in den Berliner Tarifbereichen A oder B unterwegs sein. Auch für die Fahrt von Hennigsdorf nach Potsdam, mit der Regionalbahn an Berlin vorbei, braucht man einen ABC-Durchmesser-Fahrschein.

Wer soll das verstehen?

4. Ergänzungsfahrscheine müssen wirklich Zeitkarten „ergänzen"

Wer glaubt, mit einem Ergänzungsfahrschein beispielsweise seine Premiumkarte ergänzen zu können, der irrt. Wer mit einer Berliner AB-Premium-Karte abends weitere Personen, z. B. nach Potsdam, nehmen möchte, muß nicht nur für sich, sondern auch für jede Person einen Ergänzungsfahrschein kaufen.

Was wird also ergänzt?

5. Das „Schöne Wochenende-Ticket" muß im gesamten Verbund gelten

Das beliebte „Schöne Wochenend-Ticket" der Deutschen Bahn AG gilt zwar weiterhin, aber nur bei DB, BVG, S-Bahn und ViP. Ein Ticket, das im Verbund gilt, aber dann nur bei einigen Verkehrsunternehmen - von Übersichtlichkeit keine Spur. Wer soll sich das merken, wer soll das verstehen?

6. Die Premium-Monatskarte muß endlich wieder abgeschafft werden

Fahrpreistabelle
Vorder- und Rückseite in Originalgröße - kein Aprilscherz, aber in dieser Schriftgröße allemal zu klein! VBB-Tarifinfo zum 1. April 1999

Die positiven Erfahrungen mit der Umweltkarte, mit der vor einigen Jahren auch spontan abends und am Wochenende Personen mitgenommen werden konnten, war für viele eine „Einstiegshilfe" in den ÖPNV.

Auch die Fahrradmitnahme muß als Kooperation unter den umweltfreundlichen Verkehrsträgern für alle Monatskartenbesitzer wieder selbstverständlich werden.

7. Es muß für den gesamten VBB eine Fahrrad-Tageskarte für 5,- DM eingeführt werden

Die Fahrradmitnahme wird beim Verbund einen Erwachsenenfahrschein kosten (Einzelfahrt maximal 5,- DM), eine Tageskarte gibt es nicht. Weiterhin gibt es aber noch die „Mehrtagesfahrradkarte Berlin-Brandenburg" (pro Tag 5,- DM) sowie die Fahrrad-Tageskarte zum Ferien- und Schönen-Wochend-Ticket für 6,- DM, die aber nur bei DB und S-Bahn gültig sind. Für einige Fälle ist aber die „Radkarte des DB-Tarifs" die billigste Lösung.

Woher der „Gelegenheitsausflügler" wissen soll, welche Karte für seinen Zweck geeignet und welche die preiswerteste ist, bleibt offen.

Wer soll das verstehen?

Viele offene Fragen werden viele potentielle Fahrgäste abschrecken, da sie berechtigte Angst haben werden, nicht den korrekten Fahrschein gekauft zu haben. Die Berliner Fahrgastvertreter appellieren daher an die Verkehrsunternehmen in Berlin und Brandenburg in Zukunft bei Kontrollen kulant vorzugehen.

Wenn nicht einmal die organisierten Fahrgastvertreter den Tarif verstehen, wie sollen „normale Fahrgäste" eine Chance haben?

Seit eineinhalb Jahren verzichtet der VBB auf die Beratung durch einen Fahrgastbeirat. Er verzichtet damit darauf, die Erfahrungen der Fahrgäste umsetzen zu können und arbeitet in überheblicher Manier an den Fahrgästen vorbei. Ergebnis: ein unübersehbarer Fahrschein-Bürokratismus.

ADFC - Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club, Landesverband Berlin e.V.
BUND - Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Berlin e.V.
IGEB - Interessengemeinschaft Eisenbahn und Nahverkehr e.V.
VCD - Verkehrsclub Deutschland, Landesverband Berlin e.V.

aus SIGNAL 2-03/1999 (April/Mai 1999), Seite 4-6

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