Aktuell

GI-Züge rehabilitiert
Aber Senat und BVG hinterlassen einen deutschlandpolitischen Scherbenhaufen

Seit der Wiedervereinigung des Berliner Kleinprofilnetzes am 13. November 1993 gab es monatelange Störungen, wie sie die U-Bahn-Fahrgäste schon lange nicht mehr erlebt hatten. Nicht lange dauerte es dagegen, bis Senat und BVG die Schuldigen wußten: Die Züge der Baureihe Gl, je nach Absicht als "Gisela-Züge" oder "Ost-Züge" bezeichnet.

Ausschnitt

Bereits in SIGNAL 9-10/93 hatte der Berliner Fahrgastverband IGEB sich um eine Versachlichung der Probleme bemüht. Es half wenig, zumal der U-Bahn-Chef der BVG, Dr. Klaus Lipinsky, an der Diffamierungskampagne mitwirkte (siehe das Interview auf der rechten Seite). Dieses Interview nahm die IGEB zum Anlaß, am 30. Januar noch einmal nachdrücklich gegen das teils vorsätzliche, teils fahrlässige "Miesmachen" der GI-Züge zu protestieren. Auch diese Presseerklärung dokumentieren wir im Wortlaut, zum einen, weil kurz darauf zugunsten des "Ertüchtigungsprogrammes" für die meisten GI-Züge entschieden wurde, zum anderen, weil die Züge inzwischen weitgehend rehabilitiert wurden: Am 15. März berichtete der Tagesspiegel, "daß man in der Werkstatt oder beim Hersteller die Bremszylinder vertauscht hatte". Seit der Behebung dieses Fehlers werden die GI-Züge von der BVG vermehrt eingesetzt, zumal die gerade ausgelieferten Neubaufahrzeuge ("West-Ware" A3L) wegen Überschreitung des zulässigen Lichtraum-profiles durch Kabel und Apparate zunächst umgebaut werden mußten.

(Wir verzichten auf eine eigene Kommentierung zugunsten der hervorragenden Glosse von Bernd Matthies im Tagesspiegel vom 15. März.)

Dennoch beschloß der Senat wenige Stunden nach Erscheinen der Tagesspiegel-Meldung, 65 Mio DM zur Beschaffung von 16 neuen Doppeltriebwagen bereitzustellen, um die GI-Züge allmählich ersetzen zu können. Jetzt werden also die erst wenige Jahre alten GI-Züge - richtigerweise - modernisiert, und anschließend werden sie durch Neubauten ersetzt? Der Berliner Fahrgastverband IGEB hält diese Entscheidung in jeder Hinsicht für unverantwortlich und fordert den Senat auf, das Geld besser für die Beschaffung neuer Straßenbahn-Fahrzeuge auszugeben! Dies wäre verkehrlich sinnvoller, arbeitsmarktpolitisch ebenso effektiv und deutschlandpolitisch geboten. Der deutschlandpolitische Scherbenhaufen, den Senat und BVG mit ihrer Kampagne gegen die "Ost-Züge" angerichtet haben, ist schließlich schon groß genug.

IGEB

aus SIGNAL 2-03/1994 (April 1994), Seite 16

 

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